N E U : 29. August 2016       


Link oder Leben hat einen Wettkampfbericht.


Ausgleichssport ist das Thema in Link oder Leben.


Laufen hat den heißen, langen Lauf im Programm.


Link oder Leben hat einen Filmtipp für Euch.


In Laufen findet ihr einen "teuflischen" Bericht.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


Die Startseite hat die Mauerweglauf-Homestory.


Schreiben hat eine neue Geschichte.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.  
 

 

  

Thomas Knackstedt       

 

 

Der Lauf, den es nicht geben dürfte.


Ein schöner und trauriger Gedanke zugleich. Wir reden vom Mauerweglauf in Berlin und ein Blogger hat es in diesem einen Satz wunderbar getroffen. Doch es gab die Mauer und deshalb gibt es jetzt den Lauf. Der basiert auf Erinnerungen und findet direkt auf einem Denkmal statt.

 

Als ich am Tag vor dem Lauf bei Friedel rein schneie merke ich wieder mal: Die positiv Verrückten sterben nicht aus. Meine hochambitionierte Wettkampfzeit ist lange vorbei, aber wenn ich einen Marathon oder 100-Kilometer-Lauf vor der Brust hatte, war ich am Abend vorher angespannt wie eine Bogensehne. Von einem 100-Meilen-Lauf kann ich gar nicht reden, da ich mich an diese Distanz nie herantrauen würde.

 

Ich will Morgen in der Staffel nur knapp 34 Kilometer laufen. Friedel hat 162 vor sich. Ist der angespannt? Macht der sich Gedanken? Klare Antwort: Nein! Friedel hockt mit seinen 64 Jahren wie ein 12jähriger Schuljunge vor mir, strahlt übers ganze Gesicht, ist gebadet in Vorfreude und sagt nur: „Endlich! Morgen geht es los! Ich freue mich wahnsinnig!“ Ich denke: Ja, so ein bisschen trifft es wahnsinnig tatsächlich.

 

Friedel hat mir meine Startunterlagen mitgebracht. Gut, wenn man Freunde hat. Ich hätte das heute nicht mehr geschafft. Jetzt umarme ich ihn zum Abschied und wünsche ihm viel Glück für sein Mauerweglauf-Abenteuer.

 

Am Abend kann ich in Ruhe noch ein Bier und zwei Gläser Wein trinken. Schließlich ist keine Delligser Konkurrenz am Start und damit ist das ja irgendwie kein richtiger Wettkampf. Ziemlich müde und zufrieden schlafe ich um halb Zwölf ein.


 

Punkt 06:30 Uhr piekt mich ein kleiner Finger in die Rippen. Ich weiß genau, wem der gehört, ein silberhelles Lachen beseitigt die allerletzten Zweifel. Ella ist wach, und nichts macht sie lieber, als den Opa zu ärgern. Wir toben noch ein wenig auf der Couch herum und dann kommt Anna herein und bringt Kathrin und mir einen Becher dampfenden Kaffee. So könnte jeder Tag beginnen.

 

Als wir eine halbe Stunde später am Frühstückstisch sitzen, denke ich an Friedel. Der ist jetzt schon unterwegs, und meine Staffel auch. Kurz nach neun rufe ich unseren Staffelkapitän Ralph an. Alles ist bestens. Christian ist gut unterwegs, Jan und Ralph gut drauf. Ich verabrede mich mit Ralph auf zehn Uhr im Jahn-Sportpark.

 

Mit der U8 ist es ein Katzensprung. Als ich in den Zielbereich des Mauerweglaufs komme, sitzt da nur ein Typ auf der Bank. Das wird dann wohl Ralph sein. So ist es. Wir begrüßen uns und kommen sofort ins Quatschen. Zwischen Läufern gibt es keine Gesprächspausen. Wir erzählen von unseren schönsten Erlebnissen und nehmen natürlich auch die Staffeltaktik für heute ins Visier. Nebenbei werfen wir einen Blick auf den Liveticker und sehen, dass unser Christian genau auf der Marschtabelle liegt und mein Freund Friedel ziemlich schnell unterwegs ist. Nach einer sehr angenehmen Stunde verabschieden wir uns. Ralph muss zu seinem Startpunkt Schloß Scarow. Ich habe noch ein bisschen Zeit, ehe ich in Hennigsdorf bereit stehen muss.


 

Wieder zu Hause drehen Lotta und Ella ordentlich auf. Allerdings nicht lange, denn sie müssen mit Kathrin und Anna auf einen Kindergeburtstag. Das heißt jede Menge Ruhe für den Opa. Ich schaue noch mal in den Liveticker und sehe, dass Friedel auf den ersten 60 Kilometern ein Feuerwerk abbrennt. Unser Jan, der Sohn von Ralph, ist jetzt auch unterwegs. Sehr schön, denke ich, bevor ich auf dem Sofa ein kleines Nickerchen einlege.

 

Als sich meine Augen wieder öffnen fühle ich mich saugut. Ich schaue auf den Rechner und sehe, dass Jan sehr schnell läuft. Er hat eine Viertelstunde gut gemacht. Wahnsinn. Friedel finde ich gar nicht mehr. Was ist da passiert? Ausfall? Nein; da bin ich mir ganz sicher. Ich kenne Friedel noch nicht lange, aber als Lauftrainer traue ich mir zu Läufer einzuschätzen, mit denen ich mal unterwegs war. Friedel hat die Ruhe weg, er wird Probleme haben und sich einen Moment ausruhen. Tatsächlich sehe ich seinen Namen eine halbe Stunde später wieder. Geht doch. Später höre ich von ihm, dass er auf Grund von Wadenkrämpfen pausieren musste. Danach kam er wieder ins Rennen zurück. Ganz stark.

 

Ich mache mich auf den Weg. Erst mit der U8 zur Haltestelle Bonnhöfer Nervenkliniken. Danach mit der S25 nach Hennigsdorf. Das klappt grandios. Der Fahrplan hat mir 62 Minuten ausgeworfen, doch nach 50 Minuten steige ich im kleinen, beschaulichen Hennigsdorf aus. Sieht irgendwie wie Ostsee aus und fühlt sich auch so an. Ich bin froh, hier noch einen kleinen Spaziergang machen zu dürfen.

 

Als ich zum Wechselpunkt am Ruderclub komme, stehen da jede Menge Rettungswagen. Ich nicke dem erstbesten Sani zu, der mir über den Weg läuft uns sage lachend: „Keine gute Motivation für die Läufer. Sieht aus wie ein Lazarett.“ Der junge Mann lacht. Ich warte jetzt noch eine ganze Zeit und sehe die ersten sechs Einzelläufer der Männer und die schnellste Frau vorbeirauschen.

 

Dann kommen noch Tanja und Christian zum Wechselpunkt. Sie sind den ersten Abschnitt gelaufen. Auch zwei sehr angenehme Zeitgenossen. Jetzt fehlt nur noch Ralph, aber der lässt sich etwas Zeit. Dann ist es endlich soweit. Begleitet von seinem Sohn Jan, der sich aufs Rad gesetzt hat, kommt Ralph in die Wechselzone. Wir klatschen uns ab und ich gehe ins Rennen.

 

Es läuft gut. Bis auf einen Sturz bei Kilometer 30 bin ich auf meiner Marschtabelle unterwegs. Das Laufen in der Dunkelheit ist nicht meins, aber ich komme in einer guten Zeit ins Ziel. Die letzten Meter laufe ich mit meinen neuen Lauffreunden zusammen durch das Ziel. Schön.


 

Danach ist Kathrin da. Wir trinken etwas, reden über das Rennen und genießen es, unter Gleichgesinnten zu sein. Nach einer Stunde mache ich mich mit Kathrin auf den Weg. Die Nacht ist lau und warm. Wir bummeln die Bernauer runter und fallen in die U-Bahn. Zu Hause gibt es Käsebrote, Bier und Wein. Das habe ich mir verdient; denke ich jedenfalls. Wir schauen noch mal auf den Liveticker. Friedel steht noch eine lange Nacht bevor. Ich müsste das nicht haben, aber ich weiß, dass er es genießen wird.

 

Auf dem Sofa rücke ich an die Liebe meines Lebens heran und merke wieder einmal klar und deutlich, dass ich gern lebe. Ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und bin verdammt dankbar dafür.

 

Als ich die Augen aufschlage fühle ich mich nicht wie 55, sondern eher wie 110 Jahre alt. Mir tut alles weh. Ich bleibe erst Mal liegen und rühre mich nicht. Dann piekt mich auf einmal ein kleiner Finger in die Rippen. Ella hat sich rangeschlichen. Nichts lässt die Jahre schneller von mir abfallen als meine Enkelkinder. Das steht fest. Eine Minute später erscheint Anna mit einem dampfenden Kaffeebecher. So, ganz genau so sieht das Paradies aus.

Wir schmeißen den Rechner an und sehen kurze Zeit später Friedel, der seinen Lauf nach 25 Stunden und 32 Minuten erschöpft, aber glücklich beendet. Wir freuen uns für ihn.

 

Kurz vor acht schlendere ich mit Ella den Kottbusser Damm hinunter. Prinzessin Tausendschön schläft noch, da darf heute die Kleine mit zum Brötchen holen. Ich halte ihre Hand, drehe mein Gesicht in die ersten Sonnenstrahlen hinein und fühle mich wie ein König. Das könnte immer so weitergehen…



Thomas Knackstedt  

 

 

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