N E U :  3.  September 2015            

  

Das Mittwochtraining steht unter Laufen.

 

Traurige Zeilen stehen in Link oder Leben.

 

In Link oder Leben gibt es einen Wettkampfbericht.

 

Das Wochenendtraining fand in Berlin statt. Mehr dazu unter Laufen.

 

Laufen berichtet von Jörn und dem Borsumer Stundenlauf.

 

Schreiben präsentiert eine Geschichte.

 

In Link oder Leben gibt es eine Woche Trainingsplan.

 

Aus gegebenem Anlass steht auf der Startseite ein älterer Text.

   

      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.  
 

 

  

Thomas Knackstedt    

   

 

Menschen

 

Der Asphalt der Straße lässt den Klang meiner Schritte widerhallen. Tap, tap, tap. Ein gleichmäßiges, wohl vertrautes Geräusch. Ich steigere die Frequenz und spüre, wie mir der Schweiß ausbricht. Es ist kalt. Ein eisiger Wind weht mir ins Gesicht. Ich beuge den Kopf nach vorn und beschleunige nochmals. Jetzt gesellt sich zum Geräusch der Straße mein rasender Herzschlag. Ein Trommelorchester der ganz besonderen Art dröhnt durch meinen Kopf. Völlig erschöpft bleibe ich stehen. Während ich mich vornüberbeuge und die Hände auf meine Oberschenkel stütze, beruhigt sich mein Herzschlag langsam. Gedanken driften durch meinen Kopf, wie Schmetterlinge, die im Wind auf und ab schaukeln.  

 

Noch vor zwei Jahren bin ich am Rand der Wüste gelaufen. Ein völlig anderer Asphalt unter meinen Füssen. Verbrannte Erde so weit das Auge reichte. Meine Heimat. Damals. Zehntausende von Kilometern entfernt, aber noch immer ganz nah in meinem Kopf. Alles um mich herum war anders. Es war die vertraute Umgebung meiner Kindheit. Viel zu früh musste ich sie verlassen. Nicht das Land vertrieb mich, nein. Es war die Regierung. Sie töteten meinen Onkel und verhafteten meine Cousins. Meine Eltern fürchteten um unser Leben und wir flüchteten. Ich wurde nicht gefragt, ob ich mitgehen wollte, aber ich folgte meinen Eltern.  

 

Heute trage ich die heißen Steppen Afrikas noch immer in meinem Herzen, aber das Geräusch meiner Schritte hier auf dem Asphalt, im kalten Deutschland, ist noch immer dasselbe. Und der Schlag meines Herzens klingt überall gleich. Der Straße ist es egal, ob ich schwarz oder weiß bin. Das dunkle Band des Asphalts trägt mich hier genau so wie in jedem anderen Teil der Welt. Und das Echo meiner Schritte klingt in einer universalen Sprache, die sich niemals verändern wird, durch Raum und Zeit. Allein die Menschen am Wegesrand geben dem Bild einen individuellen Rahmen. Während sie am Rand der dürren Weizenfelder, nahe meinem Heimatort, nur kurz aufschauten und mir ein Kopfnicken oder einen kurzen Gruß schenkten, so stecken sie hier die Köpfe zusammen, drehen sich weg, und flüstern in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ich bin ein Fremder für sie und werde es vermutlich immer bleiben.

 

Die Sonne schickt ihre Strahlen durch das Geäst der Weide. Die ersten Lämmchen hängen an den Zweigen. Ich höre das Summen der Bienen, habe die Augen geschlossen und spüre die wärmende Kraft jedes einzelnen Sonnenstrahls direkt auf meiner Haut. Ich bin ganz still und habe alle meine Antennen nach außen gerichtet. Ich höre das Quaken der Frösche aus einem Wassergraben, der ein paar Meter entfernt verläuft. Zum Gesumm der Bienen gesellte sich der helle Gesang einer Meise, die auf der Krone der Weide mit ihrer hellen, klaren Stimme die Sonne begrüßt. Der Wind streichelt meine Haut. Ganz weich und angenehm fährt er über die kurzen, empfindsamen Haare auf meinen Armen. Ich fühle mich so vollkommen und gastfreundlich behandelt, wie seit langem nicht mehr. Der Sonne, dem Wind und den Tieren in diesem Land bin ich willkommen. Egal wer ich bin, wie ich aussehe und was ich hier mache. Und obwohl alle Bilder und Empfindungen, die ich hier sehe und fühle, in anderen Farben gemalt und aus anderen Stoffen gemacht sind, so erscheinen sie mir doch vertraut. Der Wind trägt keine Sandkörner mit sich und er ist viel kühler als am Rand der Wüste, aber er begrüßt mich in der Sprache meiner Heimat. Die Sonne verbrennt mir nicht die Haut. Sie ist weder so unbarmherzig noch so tödlich wie im Land meiner Väter, aber die paar Breiten- und Längengrade Unterschied verändern ihren Charakter nicht. Jedenfalls nicht für mich. Ich spüre und sehe sie, und weiß: Ich bin zu Hause. Lediglich die Spaziergänger zeigen mit Fingern auf mich. In diesem Land sitzt man nicht am Straßenrand, an einen Baum gelehnt, und ruht sich aus. Hier bist du ein Taugenichts, ein schwarzer Kaffer, der zu faul zum arbeiten ist. Jedenfalls bei einigen. Nicht bei allen, aber bei vielen. Der Meise, den Fröschen, dem Wind und der Sonne ist das völlig einerlei, nur die Menschen…

 

Ich bin auf dem Weg zur Schule. Die Luft ist eisig kalt und frostig. Gefrierender Nebel legt sich wie ein weißer Schleier auf meine Jacke. Jeder Atemzug verwandelt die Luft vor meinem Kopf in eine weiße, pulsierende Wolke. Ich habe die Hände tief in den Taschen meines Mantels vergraben, als ich den Fußweg an dem kleinen Bauernhof hinunterstapfe. So wie an jedem Morgen kommt mir der zottige große Hofhund entgegen gerannt. Mit wildem Gebell und aufgestellten Nackenhaaren hatte er mich an den ersten Tagen begrüßt. Nicht, weil ich anders als die anderen aussah, nein. Ich war ein Fremder. Nicht mehr und nicht weniger. Erst nachdem ich ihm einen Teil meiner Schulbrote geopfert hatte, wurde er zutraulich und legte sein Misstrauen ab. Ich ziehe meine Handschuhe aus und vergrabe sie in dem warmen, flauschigen Fell. Der Hund leckt mir über die Hände und wirkt enttäuscht, als ich ihm sage, dass ich heute kein Fressen für ihn dabei habe. Langsam trottet er zurück auf den Hof.  

 

Mein Weg führt mich an der kleinen Pferdekoppel mit den Offenställen vorbei. Ein fuchsbrauner Shetlandponyhengst spitzt die Ohren als er mich hört. In gestrecktem Galopp prescht er aus der Box und bremst erst kurz vor dem Zaun. Seine Nüstern blasen eine brodelnde Rauchfontäne in die Luft. Auch ihm streichele ich über das Fell. Meine Finger suchen die Ohren des kleinen Kraftpakets. Früher, als mein Großvater uns noch regelmäßig mit seinem Esel besuchte und mir immer frische Datteln mitbrachte, zeigte er mir diesen Trick. Der störrische Graukopf biss jeden, der ihm zu nahe kam. Aber wenn man ihm die Ohren kraulte, war er fromm wie ein Lamm. Auch dem Shetyhengst gefällt das. Ob ihm auffällt, dass meine Hände schwarz sind? Oder ob er nur das Gefühl des Streichelns registriert? Wer kann das schon sagen. In jedem Fall scheint es ihn nicht zu stören. Er schnaubt behaglich und stößt mir den Kopf freundschaftlich entgegen.  

 

 

Bei den meisten Menschen ist das anders. Die geben mir, wenn überhaupt, nur sehr zögerlich die Hand. Ich denke oft, sie haben Angst, dass meine schwarze Hautfarbe auf sie abfärben könnte. Mehr als einmal habe ich beobachtet, wie die Menschen auf ihre Hände schauten, wenn sie mich berührt hatten. Eigentlich ziemlich lustig, aber mir war nie nach lachen zumute.

 

Wenn Carlo mich sieht, lacht er. Er freut sich ein Loch in die Mütze, wenn ich mich über seine Karre beuge und ein paar Grimassen schneide. Dann wird sein Kopf puterrot und er prustet und jault vor Freude. Carlo ist ein Jahr alt. Er ist Sinas kleiner Bruder. Ein Nachzügler. Sina ist 15 Jahre alt. Ich mag sie. Sie muss Carlo nachmittags ausfahren und wenn ich sie treffe, mache ich diese Scherze mit Carlo. Das klappt aber nur, wenn ich sie allein treffe. Wenn Sinas Freunde dabei sind, machen sie einen großen Bogen um mich. Dann spricht Sina auch nicht mit mir. Ich wollte sie schon immer fragen, warum das so ist. Aber erstens habe ich mich das noch nicht getraut und zweitens kenne ich die Antwort auf diese Frage ohnehin schon.  

 

Ich muss mit meinem Äußeren leben, kann nicht raus aus meiner Haut. Und wieso auch. Hätte ich soviel Kohle wie Michael Jackson könnte ich mich weiß machen. Und dann? Würde es mit mir anders laufen als mit Michael? Und wäre ich dann nicht genau so, wie die Typen, die mit Fingern auf mich zeigen? Wäre dann nicht allen klar, dass sie Recht haben mit ihrer Einstellung?  Und die Kehrseite der Medaille, diese ganze „Black is beautiful Kacke“, die ist auch nicht mein Ding. Ich will einfach nur sein, wie ich bin. Mehr nicht. Die Tiere, die Sonne, der Wind und all die anderen Dinge haben das kapiert. Nur die Menschen…verdammt noch mal, die Menschen…

 

 

Thomas Knackstedt

 

 

 

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