N E U : 27. September 2020      


Laufen hat das Wochenende.


Schreiben hat eine neue Geschichte für Euch.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


Einen Musiktipp gibt es in Link oder Leben.


Link oder Leben läuft und fährt.


Laufen hat die Bilder zum Bergsprint.


Auf der Startseite steht ein neuer Text.


Link oder Leben steigt aufs Rad.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      





„Nur bis zur Tür.“

 

Es tut so weh, dass es ihr fast das Herz zerreißt. Niederschmetternd an diesen Momenten ist, dass sie nichts tun kann; gar nichts. Außer Fassungslosigkeit und unsagbarer Trauer ist da Nichts, was in ihr noch Platz hat. Der Augenblick erschlägt sie mit brachialer Gewalt ohne Chance zur Gegenwehr. Sie schließt die Tür zum Zimmer im Pflegeheim und weint hemmungslos.

 

Ihre Mutter hat einiges mitgemacht. Ein Leben, das Höhen und Tiefen hatte. Eines, das nie langweilig war, bei dem man niemals wusste, was der nächste Tag bringen würde. Diese Umstände hatten sie zu einer guten Allrounderin gemacht. Sie konnte reagieren, auf alles was auch kam. Irgendwie fand sie immer Antworten auf die Fragen, die das Leben ihr stellte. Als die Diagnose Parkinson kam, wurde aus dem Reagieren ein Warten. Wir alle wussten, was passieren würde, aber sie musste es ertragen. Wir waren Zuschauer, sie der tragische Hauptdarsteller. In dieser Aufführung würde es kein Happy End geben. Jahr um Jahr verlor sie sich selbst. Ihre Erinnerungen, ihre Fähigkeiten, ihre Gefühle. Der Körper versteinerte nach und nach zu einem Gefängnis aus Fleisch und Blut, in dem ein lebendiger Geist eingesperrt war. Sie überlebt die Krankheit bis heute, auch wenn sie schon lange austherapiert ist. Kaum jemand hält so lange durch. Die meisten Menschen sterben Jahre, ja Jahrzehnte, früher. Am Leben zu sein kann grausam sein; so seltsam sich das auch anhören mag.

 

Seit Jahren liegt sie, fast bewegungslos, ans Bett gefesselt, in ihrem Zimmer. Ihr Körper verfällt zu einem knochigen Gerüst, das keinerlei Aufgabe mehr zu haben scheint. Doch ihre Augen zeigen noch immer, dass tief in diesem zerstörten Leib Leben existiert. Ein Leben, das sich kaum noch mitteilen kann. Tief versteckt, fast am verlöschen, aber immer noch unbändig lebend vorhanden. Wir alle wissen nicht, was sie von ihrer Umwelt wahrnehmen kann, was sie fühlt, was sie denkt, ob sie überhaupt noch zu irgendeinem Gedanken fähig ist. Wir können ahnen, glauben, hoffen, wissen aber nichts.


 

Sie besucht ihre Mutter. Sie hält ihre Hand. Sie füttert sie. Sie streicht ihr mit der Hand über das Haar und liest ihr aus Büchern vor. Sie weiß nicht, ob ihre Mutter das wahrnimmt oder nicht, aber darum geht es nicht. Vor einigen Jahren antwortete sie noch auf Fragen, beteiligte sich an Gesprächen, zeigte Regungen. Doch das ist vorbei. Jetzt kann es passieren, dass sie eine Stunde zusammen waren, ohne das die Mutter auch nur ein einziges Wort sagt, ja nicht einmal mit den Augen zwinkert. Manchmal liegt sie einfach nur da, mit geöffnetem Mund und starrt auf einen imaginären Punkt, den niemand außer ihr wahrzunehmen scheint.

 

Heute war es genau so. Sie hatte der Mutter vorgelesen, ihr Bilder gezeigt und von der Familie erzählt. Die Augen der Mutter schienen gebrochen, emotionslos, leer. Unter der Decke war ihr gebrechlicher kleiner Körper zu erkennen. Die Zudecke war ein Segen. Ihren Körper in diesen Zustand in allen Einzelheiten zu sehen, würde selbst die Angehörigen überfordern. Niemand von uns will klar und deutlich sehen, wohin es mit uns gehen kann. Wir träumen von runden, gemütlichen Omas und Opas, die im Kopf topfit den Urenkeln in großen Ohrensesseln aus Märchenbüchern vorlesen. Die wenigsten von uns werden diese Momente, außer in ihrer Fantasie, jemals erleben.

 

Sie hat Routine in den Besuchen bei der Mutter bekommen. Ihre Schwester wohnt weit entfernt, ihr Bruder ist bereits gestorben, der Ehemann und auch der spätere Partner der Mutter sind ebenfalls tot. Sie hält die Stellung, ist da, weil sie gebraucht wird. Sie tut all das ohne die Aussicht auf Bestätigung. Es gibt Tage, da sind die Besuche bei der Mutter so, als würde sie einen Stein besuchen. Was sie leistet, ist für viele eine Selbstverständlichkeit, aber in Wirklichkeit ist es eine Heldentat, die mit Orden ausgezeichnet werden sollte.

 

Auch heute war der Gang schwer und leidvoll. Einen Menschen, der einen erzogen, geliebt, gelehrt und umarmt hat, wie eine leblose Puppe vor sich liegen zu sehen ist grauenvoll. Es lässt einen zweifeln, ob es Gerechtigkeit, Würde, ja selbst einen Gott gibt.    

 

Als sie aufsteht, um zu gehen, bewegen sich die Lippen der Mutter. Ein Satz zerschneidet die Luft im Zimmer wie ein Schwert, das ein schlagendes Herz in zwei Teile spaltet: „Nimm mich mit!“

 

Sie ist fassungslos. Haben ihr die eigenen Ohren einen Streich gespielt, oder war das real? Sie geht zur Seite des Betts, nimmt die Hand der Mutter und sagt: „Das kann ich nicht.“ Jetzt richten sich die flehenden, bittenden Augen der Mutter auf sie und sie sagt mit leiser, kaum hörbarer Stimme: „Nur bis zur Tür.“

 

Es tut so weh, dass es ihr fast das Herz zerreißt. Niederschmetternd an diesen Momenten ist, dass sie nichts tun kann; gar nichts. Außer Fassungslosigkeit und unsagbarer Trauer ist da Nichts, was in ihr noch Platz hat. Der Augenblick erschlägt sie mit brachialer Gewalt ohne Chance zur Gegenwehr. Sie schließt die Tür zum Zimmer im Pflegeheim und weint hemmungslos.



Thomas Knackstedt 



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