Online Anmeldung Hilskammlauf 2019

N E U : 24. Mai 2019      


Link oder Leben berichtet vom Avon-Frauenlauf in Berlin.


In Schreiben steht eine neue Geschichte.


Laufen hat das Mittwochtraining.


Auf der Startseite ist die Helgoland-Homestory komplett.


Laufen hat die Ergebnisse von Helgoland.


Link oder Leben hat eine Vorschau.


Das Mittwochtraining steht in Link oder Leben.


In Laufen gibt es das MRT-Training.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      



 

Die Helgoland Homestory beginnt mit Teil 1:


„Warum hat das so lange gedauert?“  


Trotz leichter Startschwierigkeiten am Freitagmorgen sind wir in Cuxhaven komplett. Anna und Ella begleiten uns das erste Mal auf die Insel. Als ich sie morgens abhole, um anschließend mit Kathrin und unseren Freunden Goszia, Kasper und Roman, zusammen nach Helgoland zu fahren, passiert es. Ella wird im Schlafanzug in den Wagen gepackt, die Haustür zugezogen und Ellas Schuhe bleiben drin. Mist! Anna hat natürlich keinen Schlüssel eingesteckt und so muss ich zunächst mit den beiden Frühaufstehern nach Delligsen fahren und anschließend, mit unserem Schlüssel, zurück nach Kaierde. Wir sind trotzdem extrem schnell am Meer. Obwohl Ella und ich davon nicht viel mitbekommen. Auf dem Rücksitz eines fahrenden Wagens schläft es sich einfach zu gut.  


Als ich die Augen wieder aufmache, ist Ella am Quasseln und draußen regnet es. Das war so aber nicht bestellt. Die letzten Jahre hat Helgoland uns immer mit Traumwetter überrascht. Ich bin gespannt, wie es wird. Roman folgt uns wie ein Schatten. Die Bahn ist frei. Sehr, sehr schön. Wir sind eine Stunde vor Abfahrt des Schiffes am Hafen. Das haben wir noch nie geschafft. Als wir auf den Parkplatz fahren, kommen Besi, der Doc und auch Jürgen vorgefahren. Eine gemeinsame Punktlandung.  


Im Terminal treffen wir Michel und Gattin Annedore aus Einbeck. Auch sie sind begeisterte Helgoland-Marathonläufer. Wir begrüßen uns herzlich. Die Gespräche in unserer Gruppe drehen sich nur um Helgoland. Ella düst durch die Menschenmenge und benimmt sich wieder mal extrem mopsig.



Dieses Mal findet die Überfahrt unter Deck statt. Das Wetter eignet sich wahrlich nicht zum Aufenthalt draußen. Fieser Wind peitscht den Regen über das Deck. Irgendwann hört es zu regnen auf, aber es bleibt kalt. Erst als wir Helgoland erreichen, klart der Himmel auf. Ein gutes Zeichen. Genau so gut ist es, wieder die alten Zimmer in der Jugendherberge zu beziehen. Hier fühle ich mich wie zu Hause. Wir sind alles alte Helgolandfahrer. Goszia, Roman und Kasper sind allerdings neu. Wir schnappen uns die drei und spazieren über das Oberland. Am Lummenfelsen begeistern uns die Tölpel mit akrobatischen Flugeinlagen.



Auf dem Rückweg treffen wir Kerstin und Michael, die komplett in zwei Fischbrötchen „vertieft“ sind. Das sorgt dafür, dass wir uns beim Fischbrötchen-Mann an der Ecke ebenfalls eindecken. Ella sind die Wege viel zu weit und sie nervt. Anna hat die Situation allerdings gut im Griff.



Die Startnummernausgabe verläuft problemlos. Roman hat die 85, ich erhalte die 102. Beim Abendessen in der Jugendherberge ist die Hütte voll. Das gemeinsame Nudelbuffet sorgt dafür, dass es lange Schlangen gibt. Das ist nichts für mich. Ich schlappe in den Ort, um dort eine große Portion Pommes zu essen. Auf dem Weg dorthin, darf ich ein geniales Schauspiel beobachten. Schon von weitem sehe ich einen Stockenten-Erpel, der auf der Wiese, etwa fünfzig Meter von der Ortsmitte entfernt sitzt. Der Fischbrötchen-Mann lockt ihn mit Bröseln, die er in der Hand hält, direkt in den Ort hinein. Der Erpel futtert ihm aus der Hand und macht sich dann wieder auf den Rückweg. Es gibt reichlich Zuschauer für diese Attraktion.  


Auf dem Weg zurück zur Jugendherberge kommt mir eine Gruppe von Läufern entgegen, die Morgen versuchen werden die 5,6 Kilometer zu laufen. Die Truppe war in den letzten Jahren auch hier und ist mir nie durch gute Laufleistungen aufgefallen. Was sie jedoch können, ist trinken. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle hackevoll. So wie in jedem Jahr… Das ist absolut nicht mein Fall.  


Wieder in der Jugendherberge beziehen wir unsere Stammplätze in der Galerie über dem Speisesaal. Nirgendwo gibt es schönere Plätze zum Beobachten eines Sonnenuntergangs als dort. Doch zunächst werden wir gestört. Silas kommt aufgeregt zu Besi und erzählt ihm, dass ein fremder Mann in seinem Zimmer war. Eine Frau soll bei den Nebenzimmern auf die Klinken gefasst haben. Der Sache müssen wir nachgehen. Silas kann uns den Mann zeigen und der Fall ist schnell geklärt. Mitglieder einer Lebenshilfe-Gruppe haben die Toilette gesucht und sich in der Jugendherberge verirrt. Alles kein Problem. Als wir das Silas erzählen schaut er uns empört an: „Ach was? Das ist der Toilettentrick. Ganz klar.“ Besi und ich schauen uns nur an und müssen uns das Lachen verkneifen.



Kurze Zeit später hocken wir dann mit einem Dutzend Menschen in der Galerie und beobachten, wie der Mittelpunkt unseres Sonnensystems in die Nordsee plumpst. Ella hopst von einem Menschen zum nächsten. Ich erlaube ihr, ein Weingummi zu essen und drei Sekunden später sitzt sie mit der ganzen Tüte vor mir. Ich muss den grimmigen Opa geben, damit sich das Gör nicht überfrisst.



Es herrscht eine wunderbar friedliche Stimmung. Das Licht der untergehenden Sonne ist atemberaubend schön. Ich fühle mich als Teil einer Gemeinschaft, die ein Schauspiel beobachtet, das die Menschen schon vor 20.000 Jahren begeistert hat. Der Sonnenuntergang hat nichts von seiner Einzigartigkeit verloren. Man muss es nur sehen. Jürgen hat Musik angemacht und wir schmachten mit den Augen dem Horizont entgegen.



Dann geht es ins Bett. Morgen früh ist Wettkampf. Ella darf natürlich noch ein Hörspiel hören. Da die Wände in der Jugendherberge dünn wie Reispapier sind, dürfen der Doc und Besi im Nebenzimmer auch mithören. Bibi und Tina, das wird ihnen gefallen. Da bin ich mir ganz sicher…


TEIL 2

   

Es ist kaum zu glauben. Ich habe hervorragend geschlafen und schaue aus dem Fenster. Die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau. Helgoland scheint uns zu lieben.Anna und Kathrin sind ebenfalls wach; Ella schläft noch immer den Schlaf der Gerechten. Wir drei verdrücken uns zum Frühstück und dort verwandeln die Sonnenstrahlen den Speisesaal in einen Lichtpalast. Ich genehmige mir zwei Brötchen, ein Ei, ein Müsli und reichlich Kaffee. Das sollte als „Treibstoff“ für den Marathon reichen.

 

Nach dem Frühstück gehen Kathrin und ich noch für einen kleinen Spaziergang auf die Mole vor der Jugendherberge. Das gehört zu unserem Standardprogramm für den Helgoland Marathon. Die Sonne hat bereits Kraft, es ist nicht zu windig. Ideale Bedingungen zum Laufen. Wir treffen Kerstin und Messer, auch sie genießen den Spaziergang am Meer.


 

Kurz vor 9 Uhr brechen wir zum Hafen auf. Anders als bei anderen Marathonstarts ist die Stimmung nicht angespannt, sondern extrem locker und humorig. Die Insel scheint die Menschen positiv zu beeinflussen, sobald sie einen Fuß auf das Eiland setzen.

 

Auf dem Weg zum Start kommt uns der Mini-Marathon entgegen. Vorweg unsere Jungs. Wayne schießt wie eine Rakete über den Weg. Nebenbei wedelt er mit seinem Handy, das er abzugeben vergessen hat. Ein Knaller! Auch Besi und die anderen Jungs sind vorn dabei. 15 Minuten später startet der Marathon. Wir laufen los und ich überhole Roman, damit ich wenigstens ein Mal im Rennen vor ihm bin. Ich sage ihm das und lasse mich wieder zurückfallen. Auf den ersten beiden Kilometern ist das Rennen so langsam, dass ich denke: Wieso laufen die nicht schneller? Doch dann geht es ab. Ich komme sehr gut über den Kurs. Für mich wird es ein typischer Helgoland Marathon. Bis Runde 3 werde ich überholt, ab Runde 3 überhole ich. Am Ende bin ich mit Platz 8 im Gesamtfeld hochzufrieden. Auch meine Mitläufer schlagen sich prächtig. Roman zeigt mit einem zweiten Platz, dass er ein Könner auf der Marathonstrecke ist. Wir schaffen es tatsächlich wieder, die Mannschaftswertung zu gewinnen und alle Läufer ins Ziel zu bekommen. Ich freue mich für jeden einzelnen von uns.


 

Im Ziel zeigt Ella, dass sie immer für einen Spruch gut ist. Der Doc ist der letzte Läufer von uns auf der Strecke. Ella möchte zur Jugendherberge zurück und Kathrin sagt ihr, dass wir noch auf Thomas warten müssen. Als der Doc völlig fertig über die Ziellinie schlappt, läuft Ella zu ihm und fragt: „Wieso hat das so lange gedauert?“ Es folgt einer der wenigen Momente, in denen wir den Doc sprachlos erleben.

 

Zusammen mit Roman gehe ich zur Massage. Es ist nichts los und wir kommen sofort dran. Es tut gut, sich die müden Beine massieren zu lassen. Der Masseur, der ich behandelt, ist ein wunderbarer Gesprächspartner. Nach der Massage müssen wir noch einmal in die Jugendherberge, weil wir unsere Kuchen und Kaffeegutscheine vergessen haben. Wir treffen Jürgen und den Doc. Irgendwie erinnern mich die beiden an Heimkehrer aus einer verzweifelten Schlacht. Sie haben Decken umgehangen und sind noch immer sichtlich angefasst. Als sie uns sehen, kommt wieder Leben in die Beiden. Wir berichten kurz über unsere Erlebnisse während des Laufs, dann geht es zur Nordseehalle.

 

Noch immer scheint die Sonne und wir sitzen draußen vor der Halle. Der Tisch ist beladen mit Kuchen, Kaffee und Bier. Nach und nach trudeln alle ein. Der „Delligser Haufen“ ist in bester Stimmung. Es wird gelacht und gescherzt. Messer darf sogar Ellas Schatztruhe anfassen. Detlef Erasmus aus Bad Münder gesellt sich zu uns und wird  in den Kreis aufgenommen. So verbringen wir ein paar sorgenfreie Stunden in dem Gefühl zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein verdammt gutes Gefühl.


 

Beim Abendessen in der Jugendherberge ist die Freude und Lockerheit, die sich nach einem Marathonrennen breit macht, regelrecht zu fühlen. Wayne lässt sich von Goszia polnisch beibringen und Konstantin wirft hier und da ein russisches Wort mit ein. Wir anderen können uns kaum halten vor lachen, als Wayne zu Goszia sagt: „Gib mir den Kubek“ und dabei auf einen Becher zeigt. Lachend und mit müden Beinen machen wir uns anschließend auf den Weg zur Siegerehrung. Dort erwartet uns eine Riesenüberraschung. Als ich mit dem Organisator Oke spreche, steht plötzlich ein hochgewachsener, durchtrainierter Mann neben mir und fragt Oke, ob er bei der Siegerehrung helfen soll. Oke stimmt zu und freut sich. Ein paar Minuten später wird der Mann als Nils Schumann, Olympiasieger 2003 und Europameister im 800 Meter Lauf vorgestellt. Den hätte ich nicht wiedererkannt.


 

So kommen Kasper, Wayne, Stephan, Silas, Roman, Jürgen und ich in den Genuss unsere Urkunden von einem Olympiasieger überreicht zu bekommen. Damit hätten wir heute nicht gerechnet. Mich persönlich freut am meisten der Sieg in der Mannschaftswertung. Dafür habe ich mich heute angestrengt. Nach den Ehrungen trinken wir noch ein Bier und machen uns anschließend wieder zur Jugendherberge auf. Die Feier in der Nordseehalle mit DJ und Musik aus den Achtzigern ist heute für die meisten „meiner Leute“ nichts. Anna, Kathrin und die Jungs bleiben noch ein wenig, um zu tanzen.


 

In der Galerie sind wir wieder alle vereint. Der Doc macht einen Spitzenwitz, als er die Treppe herauftänzelt und sagt: „Geht schon wieder. Fünf Bier und drei Ibuprofen.“ Wir kriegen uns kaum ein. Süßigkeiten machen die Runde und Bierflaschen werden geleert. Die Zungen werden lose und alte Lauftreff-Geschichten werden zum Hundertsten Mal aufgewärmt. Einige von ihnen werden dabei nicht unbedingt schlechter. Wir sitzen im Dunklen und genießen die Stille. Ella versucht so viele Süßigkeiten wie möglich an sich zu bringen. Ich muss aufpassen, dass sie es nicht übertreibt. Irgendwann ist sie hundemüde und ich bringe sie ins Bett.



Als ich in die Galerie zurückkehre, sind auch unsere Tänzer zurückgekommen. Wir sprechen über das Leben, die Liebe, die Ehe, das Laufen und vieles mehr. Das geht so lange, bis das Bier aufgebraucht ist und wir nur noch ins Bett wollen. Kurze Zeit später liege ich in meiner Koje und erwarte die „Nacht der schmerzenden Beine“. Wie immer nach einem Marathon…



TEIL 3

 

Von der Hüfte an aufwärts habe ich geschlafen. Darunter nicht. Nach einem Marathon oder einem Ultra ist es immer das gleiche Spiel. Meine Beine finden nicht zur Ruhe. Um 08:00 Uhr ist die Nacht zu Ende. Ich war gefühlt Hundert Mal wach und bin jetzt mit Ella allein im Zimmer. Anna und Kathrin sitzen vermutlich schon beim Frühstück. Als ich in den Speisesaal komme, ist er rappelvoll besetzt. In einer Ecke entdecke ich Anna und Kathrin. Sie sitzen bei vier Dänen am Tisch, von denen einer mich gestern beim Marathon akkurat hat stehen lassen. Ich setze mich dazu und spreche dem Läufer mein Lob aus. Das kommt immer gut an. Als die Dänen gehen, setzt sich der Vorjahressieger Albert mit seiner Tochter und ihrem Freund an unseren Tisch. Es entwickelt sich ein lebhaftes, freundliches Gespräch. Auch Ella stößt kurze Zeit später zu uns. Mit ihrer Anwesenheit ist gute Stimmung garantiert.

 

Nach dem Frühstück räumen wir die Zimmer. Ella und ich tragen die gesamte Bettwäsche zur Treppe. Dort wird sie in den Keller hinunter geworfen. Für Ella ein echtes Highlight. Ich reiche an und die Kleine donnert die Wäschestücke nach unten.

 

Kurze Zeit später geht es auf den Sportplatz. Anna und Julien haben sich für ein Workout verabredet. Es gibt reichlich Zuschauer. Was die beiden dann abliefern hat Klasse. Ich weiß, wie anstrengend die Übungen sind. Anna ist in diesen Dingen ein alter Hase und Julien verkauft sich ausgezeichnet. Ab und an steigt auch Wayne mit ein, aber vor den anstrengenden Wiederholungsübungen drückt er sich. Der Junge hat schlichtweg Schiss.


 

Ich schieße eine ganze Reihe Fotos, dann gehen wir einkaufen. Nachdem wir Whisky und anderen Schnickschnack gekauft haben, geht es mit Ella noch ein bisschen auf den Spielplatz am Südhafen. Am Anfang läuft es gut, dann wird mein Enkelkind so stinkig, dass ich sie am liebsten in einen Sack stecken würde. Kathrin biegt das Kind mit ganz viel Großmuterliebe und jeder Menge Geschick wieder hin, während ich versuche Land zu gewinnen.



Das Mittagessen sieht uns in der großen Besetzung. Vor allem bei den Jungs von Besis Gruppe höre ich jetzt immer wieder Sätze wie: „Ich würde gern hier bleiben.“ Oder: „Müssen wir wieder zurück? Schade.“ Ich freue mich unsagbar, dass ich meine Bedenken von damals, was Besis Schüler anging, über Bord geworfen habe. Die Jungs sind Klasse.

 

Nach dem Mittag geht es eine Runde in den Strandkorb. Die Sonne scheint noch immer. Zusammen mit Julien palavere ich ein wenig übers Laufen. Kurze Zeit später gesellt sich ein Marathonläufer dazu, der gestern kurz nach mir ins Ziel kam. Wir fachsimpeln und tauschen uns aus. Das macht Spaß. Anna und Kathrin wollen noch einen Spaziergang machen und sie lassen mir Ella da. Nach heute Morgen sehen wir uns mit zusammengekniffenen Augen an. Ich weiß genau, dass mein Dickschädel gegen ihren nicht ankommt, aber wir müssen uns irgendwie zusammenraufen. Ich gehe mit Ella ans Meer und wir werfen Steine in die See. Das gefällt ihr. Danach scheuche ich sie über den Spielplatz der Jugendherberge und sie tobt sich aus. Als „meine“ Frauen wieder da sind, will Kathrin mit mir noch einmal aufs Oberland.

 

Kurze Zeit später stehen wir am Lummenfelsen und werden noch einmal mit jeder Menge Flugkunststücken der Basstölpel unterhalten. Die Tiere zelebrieren die pure Lust am Fliegen und da zuzuschauen ist ein Genuss.


 

Kurz vor 15 Uhr packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg zum Schiff. Gefühlt ist die gesamte Insel unterwegs zum Hafen. Wir sind früh an Bord und wir sind clever. Die meisten Passagiere sitzen auf der Sonnenseite des Schiffs, aber sie haben nicht bedacht, dass der Kapitän bei der Rückfahrt das Schiff um 180 Grad drehen wird. So sitzen wir eine halbe Stunde im kalten Schatten des Oberdecks und werden bei der Ausfahrt der „Helgoland“ ins Sonnenlicht gestoßen. Bis Cuxhaven werden wir von der Sonne beschienen und gewärmt. Während wir uns darüber freuen, beginnt Besi mit dem Schmieren von Matjes Brötchen. Es dauert nicht lange und wir futtern um die Wette. Es gibt eine Menge Dinge, die Besi gut kann. In punkto Versorgung stellt er jedoch alles in den Schatten. Sein Matjes Brötchen ist für mich eines der Highlights der Fahrt.


 

Eigentlich könnte ich nach so einem fett belegten Brötchen schlafen, aber jetzt geht das nicht. Ella hält mich auf Trab. Sie hat gestern bei der Siegerehrung einen Stofflöwen geschenkt bekommen. Auf meine Frage, wie der heißt, sagte sie: „Handtuch!“ Ich fragte warum und sie sagte: „Weil man sich mit einem Handtuch abtrocknen kann.“ Ach so. Auf jeden Fall wackelt sie mit dem Löwen Handtuch vor meiner Nase herum und lässt mich nicht schlafen. Also klaue ich den König der Tiere aus ihrer Hand, rufe laut: „Mein Handtuch!“ und verstecke ihn hinter meinem Rücken. Ella findet ihn, schreit „Mein Handtuch!“ und beginnt das Spiel von vorn. Ich klaue den Löwen und verstecke ihn unter dem Tisch und rufe „Mein Handtuch!“. Sie findet ihn, brüllt lauthals „Mein Handtuch!“ und weiter geht es. Weil das Spielen mit mehr Menschen mehr Spaß macht, werfe ich „Handtuch“ zu Besi, gebe ihn an den Doc weiter und verstecke ihn bei Karin oder Kathrin.



Ella ist komplett aus dem Häuschen. Es dauert keine Minute, bis alle Menschen um uns herum zu begeisterten Zuschauern geworden sind. An einem Tisch sitzt ein kleines Mädchen, das so herzhaft lacht, dass sich mir alle Härchen aufstellen. Man kann mit so wenig so viel erreichen, denke ich. Wir sind alle noch Kinder ganz tief in uns drin. Nur muss man dieses Kind auch mal an die frische Luft lassen. Jetzt, genau in diesem Moment, sind alle unsere Kinder draußen. Völlig außer Atem beenden wir unser Spiel  nach zehn Minuten. Ella hat uns alle in die Tasche gesteckt und reckt ihren „Handtuch“ siegreich am ausgestreckten Arm in die Luft.

 

Während Scharhörn und Neuwerk vorüberziehen macht sich Wehmut in mir breit. Wie oft werde ich das noch genießen können? Wie lange hält dieser Verbund an völlig unterschiedlichen Menschen noch so fest zusammen? Ich habe mich unheimlich darüber gefreut, dass Roman mit seiner Familie dabei war. Als ich das denke, sehe ich Ella mit Kasper spielen. Später wird sie mir zuflüstern, dass sie sich ein bisschen in Kasper verliebt hat. Okay, das fällt nicht schwer.


 

Das Schiff legt an und wir treffen uns zum Abschied am Bug der „Helgoland.“ Wir liegen uns noch einmal in den Armen und beteuern, dass wir uns im nächsten Jahr wieder hier sehen werden. Bisher hat das immer geklappt und ich drücke die Daumen, dass wir auch 2020 mit der „Helgoland“ in See stechen werden. Ich liebe diese Insel und ich liebe die Menschen, mit denen ich sie besuchen durfte.



Die Autobahn bietet uns auf der Rückfahrt freie Fahrt. Als sich die Wege von Roman und uns Höhe Hannover trennen, winken wir uns zu. Es war traumhaft schön und wir werden von den Tagen auf dem Roten Felsen lange zehren. Ganz sicher…



Thomas Knackstedt

 


Allgemeine Datenschutzerklärung

    

Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von Daten gemäß der nachfolgenden Beschreibung einverstanden. Unsere Website kann grundsätzlich ohne Registrierung besucht werden. Dabei werden Daten wie beispielsweise aufgerufene Seiten bzw. Namen der abgerufenen Datei, Datum und Uhrzeit zu statistischen Zwecken auf dem Server gespeichert, ohne dass diese Daten unmittelbar auf Ihre Person bezogen werden. Personenbezogene Daten, insbesondere Name, Adresse oder E-Mail-Adresse werden soweit möglich auf freiwilliger Basis erhoben. Ohne Ihre Einwilligung erfolgt keine Weitergabe der Daten an Dritte.


 

Impressum: Thomas Knackstedt, Deutschland,  31073 Delligsen, Hainbergstraße 2.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01057607