N E U : 29. Juli 2016       


Laufen befasst sich mit den Langen Läufen.


In Link oder Leben gibt es einen Filmtipp.


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


In Link oder Leben muss ich einen Kommentar loswerden.


Die Startseite hat eine neue Geschichte für Euch.


Laufen bringt das Samstag-Training.


Link oder Leben präsentiert Teil 2 des Frankfurt Plans.


In Schreiben hält das Tagesgeschehen Einzug.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.  
 

 

  

Thomas Knackstedt       

 

 

Alt


Der weiße Daimler benötigt die gesamte Fahrbahnbreite, um seine Schlangenlinien in Vollendung zu fahren. Das Ganze mit maximal 25 Stundenkilometern. Vor ihm fahren Fahrzeuge erschrocken an den Fahrbahnrand. Dahinter stimmen einige Autofahrer ein aufgeregtes Hupkonzert an. Dann fährt der weiße Daimler entgegengesetzt der Fahrtrichtung in den Verkehrskreisel hinein und alle Fahrzeuge im Kreisel legen eine Vollbremsung hin. Auch der Daimler kommt zum Stillstand.

 

Das alles passierte vor 10 Minuten. Wir haben 30 Grad im Schatten und eine gnadenlose Sonne scheint vom Himmel. Ihre Strahlen durchwandern eine hohe Luftfeuchtigkeit. Zusammen ergibt das ein Luftgemisch, das man schneiden kann.

 

Nach dem abenteuerlichen Auftritt des Daimler Fahrers, der sich als 88jähriger Rentner entpuppte, haben Verkehrsteilnehmer den alten Mann, im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Verkehr gezogen und ihn, samt seinem Wagen, auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes abgestellt. Dann wurde die Polizei alarmiert.


 

Meine uniformierten Kollegen sind bereits vor Ort. Wir haben in der Gegend Ermittlungen und schauen auf dem Parkplatz vorbei. Wer weiß, vielleicht können wir ja helfen. Als Hanna und ich aus dem Zivilwagen aussteigen, redet ein junger Kollege auf den Fahrer des weißen Daimlers ein. Der Rentner steht in der geöffneten Fahrertür und ist nicht mehr als ein Häufchen Elend. Klein, schmächtig, gebeugt. Er muss sich an der Tür des Wagens festhalten, um nicht umzufallen. So sehe ich das jedenfalls. Ich begrüße die Kollegen und sehe mir den Mann von vorn an. Er ist alt; verdammt alt. Seine Nase läuft, seine Augen starren etwas verwirrt durch die Gegend. Wenn ich meine Polizistenseele aussperre und den Lauftrainer rauslasse erkenne ich sofort jemanden, der körperlich komplett über die Kante gegangen ist. Der Mann hat die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit total überschritten. Das Alter, vielleicht Krankheit, die schwüle Hitze, vermutlich eine deutlich zu geringe Getränkezufuhr. Das alles zusammen hat ihn buchstäblich aus dem Rennen genommen. Ich würde eine Menge Geld darauf wetten, dass ein Arzt mir diesen Eindruck attestieren würde, auch wenn ich eine medizinische Null bin. 


Mein junger Kollege erklärt dem Mann freundlich aber bestimmt, dass sein Autoausflug, es stellt sich heraus, dass es sich um eine Einkaufstour handeln sollte, genau hier und jetzt beendet ist. Der alte Mann ist gerade noch in der Lage den Kopf zu schütteln und zu sagen: „Nein. Ich fahre jetzt nach Hause.“ Mal ganz abgesehen davon, dass sein Zuhause knapp zwanzig Kilometer entfernt ist, würde ich dem Herren maximal 500 Meter zutrauen bis er entweder sich oder andere mit seinem Daimler schwer verletzten würde. Irgendwie tut er mir leid, aber irgendwie denke ich auch an den schönen Klaus Hoffmann Text „…bescheuert kannste auch mit 80 sein…“

 

Jetzt bietet mein junger Kollege dem Mann an, ihm ein Taxi zu bestellen oder sich von jemandem abholen zu lassen. Die Antwort bleibt die gleiche: „Nein. Ich fahre jetzt nach Hause.“

 

Ich stelle mich dem alten Mann vor und übernehme das Gespräch. Vielleicht klappt das ja besser. Ich bin ja auch alt. Zwar noch keine 88 Jahre, aber so weit weg ist das ja nicht. Ich appelliere an die Weisheit des Alters, an die guten Absichten meines jungen Polizeikollegen, an Sicherheit und Rechtschaffenheit. Der alte Mann schaut mich an und sagt: „Nein. Ich fahre jetzt nach Hause.“ Okay, lassen wir das.

 

Bevor wir zur Wache fahren soll der Mann noch ein paar Gleichgewichtsübungen machen, um seine Fahrtüchtigkeit wenigstens ansatzweise zu bestimmen. Er bekommt keine einzige hin. Der Versuch, auf einem Bein zu stehen ist für ihn ungefähr so gut durchführbar, als wenn man mir sagen würde, ich sollte jetzt auf dem Parkplatz zwanzig Flic Flacs hintereinander machen. Auf einer Skala von 0 bis 10, was die Fahrtüchtigkeit angeht, würde ich hier satte 0 Punkte vergeben. Hanna muss den alten Mann am Arm zu unserem Streifenwagen führen, allein würde er die zehn Meter Distanz nicht schaffen.

 

Auf der Dienstelle setzen wir die fruchtlosen Gespräche fort, bis der Mann, ob er will oder nicht, nach Hause gebracht wird. Sein Führerschein wird aus Gründen der Gefahrenabwehr sichergestellt. Ich bin fest davon überzeugt, dass mit dieser Maßnahme eine Menge Gefahren abgewehrt werden. Als ich die Wache verlasse bleibt mir nur übrig, den Kopf zu schütteln.

 

Wieder zu Hause rede ich mit Kathrin über den Fall. Wir sind uns, wie schon in Hunderten Gesprächen der letzten Jahre, einig: So wollen wir nicht werden. Wir haben uns gegenseitig versprochen, dass wir auf uns aufpassen und dem Partner sagen, wenn er dem Altersstarrsinn oder der schlichten Dummheit verfällt. Ich hoffe, wir halten uns daran. Vor allem aber hoffe ich, dass unser Verstand so hell bleibt, dass wir auch erkennen werden, wenn es  so weit ist. Sicher bin ich mir da zwar nicht, aber wir werden versuchen unser Versprechen zu halten.



Thomas Knackstedt  

 

 

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