N E U : 16. September 2019      


Link oder Leben hat einen Buchtipp.


Laufen hat das Wochenende.


Link oder Leben schaut in den Mond.


Schreiben hat eine neue Geschichte.


Link oder Leben hat das Mittwochtraining.


In Laufen wird es tragisch.


Laufen hat einen Trainingstipp.


Die Startseite hat einen neuen Text.


     

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      



 

Wie ich zwei schnelle Frauen kennenlernte.

 

Ich bin seit über 20 Jahren Trainer einer Laufgruppe. Ich habe eine große Anzahl von Läuferinnen und Läufern trainiert und kennen gelernt. Jeder hatte seine eigenen, ganz persönlichen, Stärken und Schwächen. Jeder war ein Mensch für sich. Liebenswert waren sie alle auf ihre eigene Art. Ich kann es nicht erklären oder begründen, aber ein paar Menschen waren dabei, die mir bis heute nicht aus dem Kopf gehen.

 

Ich war immer der Meinung, dass Frauen die besseren Läufer sind. Als Trainer lernt man es zu schätzen, wenn Menschen zuhören und versuchen zu verstehen, was sich ihnen bisher nicht erschlossen hat. Die meisten Frauen, die ich trainierte, konnten genau das. Zuhören, das Wichtige vom Unwichtigen trennen und das Gehörte und Erlernte im Wettkampf umsetzen. Zusammen verfolgten wir stets einen Plan, den es umzusetzen galt. Die Taktik während des Rennens war dabei ein kleiner, aber entscheidender Faktor. Die größten Brocken war jedoch im täglichen Training aus dem Weg zu räumen.

 

Es gab auch Männer, die Fehler vermieden, indem sie ihre Ohren aufsperrten und sich bittere Erfahrungen ersparten, weil sie auf Menschen hörten, die genau diese Erfahrungen schon erlebt haben. Aber von den Männern, die ich trainiert habe, konnten das nur wenige. Den meisten legte ich haarklein auseinander was und wie sie trainieren mussten. Das bekamen fast alle hin. Doch dann folgte der Tag des Wettkampfs. Dort erlebte ich immer wieder, dass Männer, nachdem der Startschuss gefallen war, alles vergaßen und sich in Testosteron-Fleischklumpen verwandelten. Sie liefen oft nicht ihr eigenes Rennen, sondern das Rennen des Gegners. Sie pfiffen auf ihren Plan, nur um ja niemanden vorbeiziehen zu lassen. Am Ende eines Marathons mussten sie dann oft ganze Heerscharen an Läufern passieren lassen.

 

Frauen sind da ganz anders. Die schauen nicht auf den Gegner, sondern denken an den Plan in ihrem Kopf. Die überreizen fast nie und sind verdammt clever in der Renneinteilung. Sie haben beim Marathonlauf den Blick für das große Ganze und nicht für den unbedeutenden Moment.

 

Wie ich zu dieser Überzeugung gelangte? Das ist eine einfach zu beantwortende Frage. Als ich meine Fußballschuhe an den Nagel hängte und mich entschloss, ein Läufer zu werden, nahm ich an einigen Volksläufen teil. Für einen Fußballer war ich ein guter Ausdauerläufer. Also meldete ich mich beim Halbmarathon in meinem Heimatort an. Dort lernte ich Sabine kennen. Sie lief für einen Verein in der Nachbarstadt.


Nach vier Kilometern befand ich mich unter den ersten 10 Läufern des Feldes, als urplötzlich eine Frau an mir vorbeizog. Ich war derart perplex, dass ich es fast nicht kapierte. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass eine Frau schneller laufen konnte als ich. Ziemlich chauvinistisch, ich weiß, aber leider die Wahrheit. Sabine, deren Namen ich damals noch nicht kannte, passierte mich mit wehenden schwarzen Haaren und einem unwiderstehlichen Laufstil.


An der nächsten Steigung gab ich Gas und hängte sie ab. „Geht doch“ dachte ich mir und hielt mein hohes Tempo. Nach 11 Kilometern lief Sabine wieder an meiner Seite. Ich hatte sie schon vergessen und dachte: „Das kann nicht wahr sein!“ Mein Ehrgeiz war geweckt und ich setze mich wieder ab. Am Ende einer langen Gefällstrecke, bei Kilometer 17, holte mich Sabine wieder ein. Ich rannte buchstäblich um mein Leben und schaffte es tatsächlich bis ins Ziel ungefähr 10 Meter zwischen diese atemberaubend schnelle Frau und mich zu bringen.

 

Im Ziel angekommen, war ich am Ende meiner Kräfte. Aber ich tat etwas, was sich im Nachhinein als eine der besten Entscheidungen meines Lebens herausstellte. Ich sprach Sabine an, sprach ihr meine Hochachtung aus, und lernte sie kennen. Später trat sie unserer Laufgruppe bei und ich erlebte als ihr Trainer die vielleicht schönste Zeit in meinem „Sportjob.“ Noch heute kann ich mich an Hunderte von Trainingsläufen erinnern. Sabine konnte ein unglaubliches Ausdauerpotential ihr Eigen nennen. Auf 10 und 21 Kilometern Streckenlänge konnte ich Paroli bieten. Bei Marathon- und Ultraläufen war sie mir unerreichbar überlegen. Sie brachte eine körperliche Grundlage fürs Laufen mit, von der die meisten von uns nur träumen konnten. Wir feierten Erfolge ohne Ende, aber das war nicht mal das Ausschlaggebende in dieser sportlichen Beziehung. Wir hatten schlichtweg eine gute Zeit, verstanden uns in der Gruppe perfekt und brannten für die gleichen Dinge.



Als später eine schwere Verletzung Sabine aus dem Rennen nahm, was das ein Verlust in sportlicher, vor allem aber in menschlicher Hinsicht, den wir niemals kompensieren konnten. Geblieben sind mir Erinnerungen an perfekt getimte Rennen, große Erfolge und Trainingsläufe, die ich niemals vergessen werde.


 

Jahre später verwirklichte ich mir einen Traum, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn hatte. Ich lief den Marathon auf meiner Lieblingsinsel Helgoland. Ich liebe diesen Roten Felsen im Meer aus ganzem Herzen und habe nicht die geringste Ahnung, warum das so ist. Als ich feststellte, dass dort ein Marathonlauf stattfindet, war ich Feuer und Flamme. Zu dieser Zeit war ich ein ordentlicher Marathonläufer, der die 42 Kilometer auf einem flachen Stadtkurs unter drei Stunden laufen konnte.

 

Als ich meinen ersten Helgoland Marathon startete, fand ich mich sehr schnell an der Seite einer Frau wieder, die mein Tempo locker mithielt. Wir machten uns während des Laufs bekannt und von da an wusste ich, dass Antje neben mir lief. Wir beendeten den Lauf gemeinsam und Antje stand als Siegerin ganz oben auf dem Podest.

 

Von diesem Jahr an trafen wir uns zehn Jahre lang auf Helgoland zum Marathon. Antje gewann den Lauf zehn Mal in Folge. Eine Siegesserie, die ich für nicht menschenmöglich gehalten hätte. Aber Antje belehrte mich eines Besseren.

 

Wir hielten den Kontakt über das Jahr mit Mails. Ich spürte eine Wertschätzung, die exakt derjenigen entsprach, die ich auch für Antje aufbrachte. Im Gegensatz zu Sabine war sie nicht die Läuferin, die einen Körper hatte, der für überdurchschnittliche Ausdauerleistugen geradezu gemacht war. Sie musste sich jede Minute des Rennens hart erarbeiten. Genau das war ihre Stärke. Zudem war sie eine Meisterin der Renneinteilung und eine ehrgeizige, verbissene Kämpferin während des Wettkampfs. Die beiden Frauen hätten unterschiedlicher nicht sein können und doch verband sie so vieles miteinander. Unter anderem ich.

 

Ich war immer dankbar, dass ich diesen beiden Frauen begegnet bin. Für „meinen“ Laufsport haben mir beide Freundschaften unglaublich viel gebracht. Ich konnte erkennen was möglich war, wenn man jemanden trainiert, der die Voraussetzungen mitbringt und ein gutes Training akribisch umsetzt. Ganz nebenbei wurde mir als Laufbegleiter von Sabine und Antje klar, was ich selbst für ein stümperhafter Läufer war. Ich wusste zwar genau, wie es geht. Aber mir fehlten schlichtweg die körperlichen und mentalen Voraussetzungen, um dieses Wissen umzusetzen. Ich war ein Arbeitspferd, aber kein arabisches Vollblut.

 

Durch diese beiden Frauen habe ich eine Menge über meinen Sport gelernt. Zum Beispiel, dass es Menschen gibt, die das Laufen beherrschen und Menschen, die vom Laufen beherrscht werden. Diejenigen, die zur zweiten Kategorie gehören, sind eher zu bemitleiden. Ihnen bleibt oft verwehrt, was uns die großen Glücksgefühle im Laufen beschert. Den Genuss zu Laufen, die Freude eine gute Zeit zu schaffen und vor allem: Erfolge zu genießen und nicht sofort das nächste Ziel anzuvisieren.

 

Ich bin seit über 20 Jahren Trainer einer Laufgruppe. Ich habe in dieser Zeit eine große Anzahl von Läuferinnen und Läufern trainiert und kennen gelernt. Jeder hatte seine eigenen, ganz persönlichen, Stärken und Schwächen. Jeder war ein Mensch für sich. Liebenswert waren sie alle auf ihre eigene Art. Ich kann es nicht erklären oder begründen, aber ein paar Menschen waren dabei, die mir bis heute nicht aus dem Kopf gehen. All das hat nichts mit Zeiten, Platzierungen und Erfolgen zu tun. Jeder von uns weiß, dass man Menschen treffen kann, die so ticken wie man selbst. Bei denen im Zusammenspiel mit dem eigenen Ich die Chemie einfach stimmt. Weder ich noch irgendjemand anders kann das erklären. Das ist gut so. Wer weiß, vielleicht habe ich noch ein paar Jahre als Trainer, in denen mir das Glück vergönnt ist, eine schnelle Frau trainieren zu dürfen, die ein Unikat ist. Die für ihren Sport brennt und die sich ins Zeug legt, um ihre eigenen läuferischen Grenzen zu erforschen. Jemanden auf diesem Weg zu begleiten ist ein Geschenk. Eines, das man nicht selbstverständlich miterleben darf, sondern genießen muss…

 

    

Thomas Knackstedt

 


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