N E U : 21. August 2019      


Das Mittwochtraining steht in Laufen.


Link oder Leben hat einen Trainingstipp.


Laufen hat die Inferno-Ergebnisse.


In Schreiben steht eine neue Geschichte.


Link oder Leben ist beim Inferno Halbmarathon.


Link oder Leben hat einen Veranstaltungstipp.


Laufen fängt neu an.


Die Startseite hat einen neue Geschichte.


      

Vom Laufen und Schreiben...  

 

...berichtet diese Website. Zum einen geht es allgemein um eine der schönsten Nebensachen der Welt; das Laufen. Im Besonderen werden die Läufer des Delligser Lauftreffs "unter die Lupe" genommen. Wettkämpfe, Vorbereitungen, Homestories und mehr.  

 

Dazu wird geschrieben. Über das Laufen, das Leben, die Liebe, und jedes andere Thema, das sich mit schwarzen Buchstaben auf weiße Seiten schreiben lässt.   

 

Im Bereich "Laufen" findet ihr Wettkampfberichte und Aktuelles von den Delligser Läufern.

 

"Schreiben" wird euch mit ein wenig Lesestoff versorgen. "Link oder Leben" hält den ein oder anderen Tipp für Euch parat und macht auf interessante Seiten aufmerksam. Im "Gästebuch" könnt ihre berichten, wie Euch die Seite gefällt, oder auch nicht.      



 

Tausend für Zwölf

 

Ich bin ein Marathonläufer. Im Laufsport möchte ich nichts anderes mehr sein. Ich bin auch auf anderen Strecken gelaufen. Fünf, zehn, 21 oder 100 Kilometer. Nachdem ich das alles gemacht habe, weiß ich ganz sicher: Ich bin ein Marathnläufer! Nichts anderes will ich sein.

 

Die 42,195 Kilometer zu laufen ist für mich reine Magie. Das war nicht immer so. Mein erster Marathonlauf endete 1998 in 3:09 Stunden vor dem Hamburger Messegelände. Ich war glücklich, als ich die Ziellinie überquerte. Aber jeder einzelne Meter des Laufs war harte Arbeit für mich. Ich „erkämpfte“ mir diesen Lauf, ohne ihn genießen zu können. Ich war ein Greenhorn auf dieser Strecke und kannte keinen einzigen Kniff, den gute Marathonläufer kennen. Das hat sich geändert.

 

Ich wollte immer unter drei Stunden laufen. Das schien für mich das Maß aller Dinge zu sein. Wenn ich das hinbekommen würde, dann hätte ich das Geheimnis des Marathonlaufs gelüftet. Ich schaffte es mehrmals. Als ich beim ersten Mal mit einer 2 vorn auf der Uhr ins Ziel lief, war das ein Quantensprung für mich. Allerdings vor allem auf der Uhr. Mein Wissen über den Marathon war noch immer löchrig wie ein Schweizer Käse. Ich war noch realtiv jung, trainierte hart und konnte Fehler, die ich beging, mit Kraft und Jugend ausgleichen.


 

Irgendwann hatte der Zahn der Zeit dann bereits so lange an meinem Körper geknabbert, dass ich die Marathondistanz nicht mehr unter drei Stunden schaffte. Das frustrierte mich ein wenig, das muss ich zugeben. Aber ich wollte den Marathon nicht lassen und lief weiter. Dann passierte etwas, das ich niemals erwartet hätte. Ich begann, ohne dass ich mich besonders darauf fixierte, den Lauf zu „verstehen.“ Ich wusste urplötzlich genau, was ich beachten musste. Konnte meine eigene Form punktgenau einschätzen und die äußeren Bedingungen mit ihr in Einklang bringen. Mein Ziel war es immer, gleichmäßig wie das Uhrwerk einer Patek Philipp über die Strecke zu kommen. Bei meinen schnellen Läufen klappte das nicht immer. Bei meinen letzten zehn Marathonstarts, die alle jenseits der drei Stunden landeten, klappte es haargenau. Während meine Zeit über kurze Strecken ziemlich in den Keller gingen, verlor ich im Marathon bisher nur 20 Minuten in 20 Jahren. Noch immer muss ich mich durch die Vorbereitungszeit quälen, aber beim eigentlichen Lauf fühle ich mich, als würde ich mein eigenes Wohnzimmer betreten und mich in meinen Lieblingssessel setzen. Das ist verrückt.

 

Ich kann die Umfänge und Belastungen, die ich früher trainierte, heute nicht mehr leisten. Würde ich, wie damals, 100 bis 140 Kilometer die Woche trainieren, mein Körper würde seine Arbeit einstellen. Er schafft das schlichtweg nicht mehr. Mit einem Schnitt von 80 Kilometern komme ich gut klar. Die enthalten allerdings wesentlich weniger harte Belastungen, als das früher der Fall war. Tausend Kilometer Vorbereitung sind Pflicht. Wenn möglich mit mindestens 10 langen Läufen gespickt; es dürfen auch mehr sein. Im Frühjahr bereite ich mich 14 Wochen vor. Im Herbst 10 Wochen.

 

Das Training ist die Pflicht in diesem Programm. Der Marathon die Kür. Nicht viel im Training geht leicht. Bei den langen Läufen gibt es Tage, da muss ich mich zu jedem Schritt überreden. Aber ich kriege das hin. Natürlich gibt es auch Tage, da ist ein 30 Kilometer Lauf für mich nicht mehr als eine reine Freude. Die Tempo- und Intervall-Läufe, die ich damals so sehr liebte, und aus meiner Fußballzeit noch so gut kannte, sind heute hohe Hürden, die ich mehr oder weniger gut überspringe. Manchmal laufe ich auch einfach drumherum.

 

Wenn ich mit diesen Tausend Kilometern durch bin, frage ich mich oft: Wofür? So um die 60 Stunden habe ich mich geschunden und gequält. Bin gelaufen, ob ich Lust hatte oder nicht. Nur für einen Marathon? Wenn ich weiter darüber nachdenke, dann weiß ich: Nein! Nicht für einen Marathon! Eigentlich nur für 12 Kilometer. Sie fragen sich wieso? Die Antwort ist einfach: Die ersten 30 Kilometer eines Marathons bekomme ich auch ohne großes Training hin. Mit läuferischer Erfahrung, ein bisschen Training und guter mentaler Einstellung laufe ich diese 30 Kilometer immer in der Zeit, die ich auch beim Marathon auf den ersten 30 Kilometern laufe. Das ist kein Ding. Allerdings bin ich dann mit meiner Weisheit auch am Ende. Beim Marathon mit Tausend Trainingskilometern und langen Läufen sieht das ganz anders aus.

 

Nach jedem Start heißt es für mich: 30 Kilometer warten. Ich bin gut in Form. Habe alles für diesen Tag gemacht. Meine Marschroute ist eine 4:35 Minuten auf den Kilometer. Wenn ich gut trainiert bin, und die Bedingungen gut sind, laufe ich das bis Kilometer 30 mit Augen zu. Aber dort, ganz genau dort, fängt für mich der eigentliche Marathon an.

 

Wenn ich am 30 Kilometer Schild vorbei laufe, weiß ich: Ab jetzt brechen 95 Prozent der Läufer ein. Mehr oder weniger. Manch einer wird langsamer, manch einer muss gehen, manch einer zerfällt in seine Einzelteile. Ich nicht! Ich spüre die Tausend Kilometer, die ich trainiert habe und weiß: Sie werden mich ohne Wenn und Aber ohne Probleme über die letzten 12 Kilometer bringen. Ich werde keine einzige Sekunde schneller, aber auch keine langsamer. Da das gesamte Feld jetzt den Bremsfallschirm geöffnet hat, gehe ich durch die Läuferschar wie ein warmes Messer durch die Butter. Dieses Gefühl ist nur mit wenigen anderen im Leben vergleichbar. Es fühlt sich an, als hätte man alles bedacht, alles richtig gemacht. Ein verdammt gutes Gefühl. Ich nähere mich dem Ziel wie ein Eisenspan, der von einem riesigen Magneten angezogen wird. Ich komme in keine Ausnahmesituation und fühle mich gut. Das ist das Schönste daran. Ich sauge jeden Eindruck wie ein Schwamm auf. Jedes Überholmanöver, jeder Blick zur Uhr, jede Anfeuerung eines Zuschauers kommt direkt bei mir an. Ich erlebe das so intensiv wie nur wenige Momente im Leben. Jetzt, ganz genau jetzt, weiß ich das sich die Tausend Kilometer gelohnt haben. Tausend für Zwölf. Das hört sich nach einem verdammt schlechten Tausch an. Für mich ist es in diesen Momenten der beste Tausch, denn man sich vorstellen kann. Für nichts auf der Welt möchte auf diese Momente verzichten.

 

Früher war im Ziel nur totale Erschöpfung und totales Glück. Heute hat das Glück der Zufriedenheit Platz gemacht. Die Erschöpfung hält sich in Grenzen. Ich bin zufrieden und weiß, dass ich wenigstens diese eine Sache im Leben verstanden habe. Ich weiß, wie es geht. Und auch wenn keine Rechenaufgabe der Welt so aufgeht, bei mir steht diese Formel: 1000 für 12! Passt…

      

Thomas Knackstedt

 


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