Link oder Leben
Hier ist Platz für alle Themen rund ums Laufen und Leben. Diese Rubrik kann sich bei besonderen Anlässen ändern und sich ganz speziell auf einen Wettkampf oder andere Dinge focussieren.
Ansonsten ist hier Raum für alles, was uns bewegt. Freundschaft, Abenteuer, Liebe, Leben, Alltag oder Urlaub. Lasst euch einfach überraschen...
Laufen, planen, träumen.
Wieder mal „Volles Haus“ beim Mittwochtraining. Annike, Ulrike, Roman, Messer, Felix, Neel, Marco, Niels, Karsten, Andre, Dennis, Mario und ich sind am Treffpunkt. Das Wetter ist bestens und wir werden heute noch Mal im Hellen trainieren können. Das wird sich bald erledigt haben.
Zunächst wird Ulrike beglückwünscht. Sie hat beim Halbmarathon in Hannover ein sehr gutes Rennen abgeliefert. Natürlich wird auch Felix für seinen Sieg beim Warzer Esellauf gebührend gefeiert. Danach geht es dann auf eine Runde quer durch den Hils. Erst laufen wir ins Birkholz, um dann vom Gelben Wasser aus wieder nach Delligsen zu laufen. Dort geht es in die Klus und durch die Feldmark nach Kaierde. Da ist eine große Ortsrunde fällig, ehe es wieder nach Delligsen geht. Das waren knapp 11 Kilometer. Für diesen Mittwoch soll das reichen.
Niels beim Start des Warzer Esellaufs.
Unterwegs wurde die ganze Zeit geplappert. Es ging um unser Trainingslager am Edersee. Da müssen wir in die Planung einsteigen. Dazu kamen Lauf-Planungen und Träume für 2027. Neel will beim Paris Halbmarathon starten, Ulrike und Messer wollen den Barcelona Marathon bestreiten. Ein Großteil der Gruppe hat den Hamburg Marathon fest ins Visier genommen. Und es gibt eine Gruppe, die bei den 100 Kilometern von Biel starten will. Ihr merkt also schon, diesbezüglich geht bei uns der Gesprächsstoff nicht aus.
So verbinden wir am heutigen Abend das Laufen, das Planen von weiteren Wettkämpfen und die Träume von den ganz großen Läufen in Deutschland und Europa. Man kann seine Trainingszeit mit Sicherheit sehr viel schlechter verbringen…
Thomas Knackstedt
„Kann ich bitte deine Nummer haben?“
Sportlich lief es sehr gut für uns beim Warzer Esellauf. Den Vogel schoss jedoch wieder mal unser Felix auf der Ziellinie ab. Doch dazu später mehr.
Die Warzer Veranstalter hatten Riesenglück mit dem Wetter. Es hätte aus Eimern regnen können, tat es jedoch nicht. Im Gegenteil. Sogar die Sonne kam hin und wieder raus. Erst als die meisten Läufer im Ziel waren öffnete der Himmel seine Schleusen. Bei der guten Organisation und der wunderbaren Laufstrecke hatten die Warzer sich dieses Wetterglück auch verdient.
Team Lauftreff Hils.
Von unserer Truppe gingen Sabine, Arne, Felix und ich an den Start. Felix lief die 5 Kilometer, die anderen starteten auf den 10 Kilometern. Die neue gestaltete Strecke hatte alles, was das Läuferherz begehrt. Zunächst ging es auf einem Schotterweg in den Wald, dann über eine Wiese zurück zum Sportplatz. Dann über einen Trail wieder in den Wald hinein und Richtung Alfeld. Von dort über einen kleinen ansteigenden Trail zurück zum Sportplatz. Hier trennten sich die 5 und 10 Kilometerstrecke. Während die 5er ins Ziel liefen, bogen die 10er nach links ab und rauschten dann über einen landschaftlich schönen Wiesen-Trail zurück zur Bundesstraße 3 in Gerzen. Dort wartete das Highlight der Langstrecke. Der Anstieg zurück Richtung Warzen hatte in Teilen alpinen Charakter und zog den meisten Läufern komplett den Stecker. Vor dem Sportplatz ging es nochmal über einen Trail und eine kleine Extrarunde, ehe das Ziel wartete.
Allein auf weiter Flur: Felix.
Felix lief wieder einmal in einer eigenen Liga. Er schaute sich das Läuferfeld auf dem ersten Kilometer an, ehe er diesem enteilte. Mit 17:24 Minuten distanzierte er den Zweitplatzierten um knapp zweieinhalb Minuten. Eine ganz starke Vorstellung.
132 Jahre Erfahrung.
Auf der Langstrecke begleitete ich Sabine. Eine Ehrenaufgabe. Wir starteten ganz weit hinten und fragten uns am Anfang, wo die Läufer vor uns alle so schnell hinwollten. Dann sammelten wir Platz um Platz ein. Ein wahrer Genuss. Am Ende landete Sabine mit 48:59 Minuten auf Platz 2 des Frauenfeldes. Ein schönes Comeback, für das Sabine ordentlich arbeiten musste. Mir hat die Begleitung richtig Spaß gemacht. Arne kam kurz nach uns ins Ziel. Mit einer Zeit kann ich da momentan noch nicht aufwarten. Die Ergebnisliste der Warzer ist leider noch nicht draußen.
Gut dabei: Arne.
Jetzt aber noch Mal zu Felix. Als Sabine und ich ins Ziel kamen, wartete dort eine Frau aus dem Organisationsteam auf uns und bat uns, ihr unsere Startnummern zu geben. Diese Frau hatte auch auf Felix gewartet. Als er ins Ziel stürmte, erwartete sie ihn mit dem Satz „Kann ich bitte deine Nummer haben?“ Felix, mittlerweile unser neuer „Superstar“ dachte sich: Hä? Okay, ich habe gewonnen, aber wieso will diese Frau meine Telefonnummer? Also antwortete er: „Jetzt gleich? Oder können wir das auch später machen?“ Natürlich ging es auch später antwortete die Frau. Bis es später wurde hatte Felix dann geschnallt, dass es sich um seine Startnummer handelte. Er ist halt wirklich unser Krassester. Jedenfalls würde er es so ausdrücken.
Immer gut drauf: Unsere Unterstützer.
Das war ein schöner Nachmittag in Warzen. Von der Strecke über die Menschen und die Organisation stimmte da einfach alles. Sabine und ich hatten im Paarlauf mit 132 Jahren Erfahrung unseren Spaß. Felix lief allen davon und Arne kam ebenfalls gut über den Kurs. Dazu unterstützten uns von außen Annike, Jacqueline, Roman und Sigurd und machten damit aus dem Essellauf einen echt gelungenen Auftritt für uns.
Thomas Knackstedt
Berge und Wein.
Der Morgen ist kühl. Dicke Nebelschwaden liegen über den Weinbergen. Die Sonne hat noch nicht die Kraft, den weißen Teppich aus Nebel zu verbrennen. Wir haben gerade gefrühstückt und danach noch eine Weile am Tisch gesessen und geredet. Ich hatte mir fest vorgenommen, zumindest einen Lauf in unserem Kurzurlaub zu unternehmen. Durch die Weinberge im Rheingau zu laufen ist ein Erlebnis, das ich mir nicht entgehen lassen will. Sabine hat kurzfristig entschieden mich zu begleiten. Das freut mich.
Wir laufen zunächst durch den Ort. Doch schon bald verwandelt sich der Asphalt zu unseren Füßen in Gras und Erde. Nach den letzten Häusern gibt es nur eine Richtung: Nach oben. Gestern sind wir in den Weinbergen spazieren gegangen und heute wollen wir ungefähr die gleiche Strecke laufend zurücklegen. Sabine war lange verletzt ausgefallen und ich bin wieder einmal erstaunt, wie fit sie ist. Die Anstiege auf die Weinberge sind nicht ohne. Ich liebe es bergauf zu laufen und wäre jetzt allein keinen Schritt schneller unterwegs.
Es dauert eine Zeit, bis wir oben sind. Wir laufen in einen dicken, weißen Wattebausch hinein. Sich in diesem Nebel zu orientieren ist unmöglich. So versuchen wir ungefähr die Richtung einzuschlagen, die uns gestern in ein kleines Waldstück gebracht hat. Nur sehen wir weit und breit keinen Wald. Aber egal, dann laufen wir eben frei nach Schnauze.
Es geht jetzt nur noch minimal hoch oder runter, wir laufen auf den Bergrücken und sind gut unterwegs. Immer, wenn sich der Weg teilt oder wir eine Kreuzung passieren, markiere ich den Weg, aus dem wir gekommen sind. Wo blanke Erde ist, ritze ich einen Pfeil in die Krume. Wo das nicht geht, lege ich Rübenblätter oder Steine an den Wegesrand. Alte Pfadfinderschule.
Heute sollten 10 Kilometer reichen, doch Sabine will weiter laufen. Auf 12 Kilometer lasse ich mich ein, aber das reicht dann auch. Wir drehen um und jetzt gewinnt die Sonne den Kampf gegen den Nebel. Die ungewohnte Umgebung um uns herum, nehmen wir jetzt wieder wahr. In unserer Heimat ist es nicht möglich zwischen Weinbergen zu laufen. Also genießen wird das Ambiente. Kurze Zeit später sind wir überrascht, als wir „unser“ Waldstück sehen, das ziemlich weit entfernt ist. Da haben wir uns ganz schön verlaufen. Auf dem Rückweg quatschen wir über Gott und die Welt. Das tut gut. Wir finden unsere Markierungen und sind bald wieder in der Nähe unseres Ausgangsortes. Jetzt geht es so steil bergab, wie es am Anfang bergauf ging. Ungefähr einen Kilometer vor dem Ort ist das Gefälle nicht so stark und wir können das Tempo anziehen. Das macht richtig Laune.
Wieder in Horrweiler schaut Sabine auf die Uhr. Wir haben einen Schnitt von 5:45 Minuten auf den Kilometer gelaufen. Bei dem Streckenprofil gar nicht mal schlecht. Okay, vergleichen wir das mit den Zeiten, die wir früher gelaufen sind, ist das extrem langsam. Schaut man allerdings auf unsere Geburtsjahre, dann ist das verdammt schnell. Doch das wusste der Großvater aus Erwin Strittmatters Roman -Der Laden- schon damals: „Im Leben ist alles eine Frage der Perspektive.“
Thomas Knackstedt
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