Sie laufen und laufen...
Unsere Läufer sind viel unterwegs. Hier werdet ihr immer wieder Berichte von unseren Wettkämpfen finden. Natürlich gibt es auch mal eine Homestory oder ein wenig Laufkunde. Lasst euch überraschen..
Wer unsere Gruppe nicht kennt: Wir laufen seit 1998 zusammen und sind mittlerweile über 20 Marathon- und Ultraläufer. 2008 haben wir in der Gruppe die schnellste Laufdurchquerung Deutschlands zu Fuß hinbekommen. Nach 2 Tagen und 22 Stunden waren wir in einer Staffel, ohne Unterbrechung, von Österreich nach Dänemark gelaufen. Ansonsten waren wir als Mannschaft bei den großen Marathons und Ultraläufen sehr erfolgreich und verfügen auch über ein paar verdammt schnelle Läuferinnen und Läufer.
Legen wir also los...
Annike hat beim Silvesterlauf in Frankfurt die 40 Minuten Marke auf den 10 Kilometern "geknackt." Dazu gibt es hier den Pressebericht.
Annike Wiedemann durchbricht die
„40 Minuten Schallmauer.“
Wie sagte früher Deutschlands bekannter Lauftrainer Peter Greif so schön: „Wer die 10 Kilometer unter 40 Minuten läuft, das ist ein Läufer. Wer länger braucht, ist ein Jogger.“ Nun ist der erfolgreiche Trainer Greif schon lange verstorben, aber bei den Grünenplaner Läufern gilt sein Motto noch immer.
Ein bisschen zu schnell gestartet.
Auf Grund der Marathon- und Halbmarathonzeiten von Annike Wiedemann hätte sie die 40 Minuten eigentlich schon schaffen müssen, aber: Die schnellen, harten Tempo-Zehner sind nicht unbedingt Wiedemanns Ding. Um im Jahr 2026 die 3 Stunden Grenze im Marathon zu unterschreiten hatte Wiedemann in letzter Zeit das Training umgestellt und gezielt auf Tempo und Intervalle gesetzt. Ob das etwas gebracht hat, wollte sie jetzt beim Silvesterlauf in Frankfurt feststellen.
Dann ist Annike im Rennen.
Die Strecke in Frankfurt ist schnell, das Teilnehmerfeld und die Konkurrenz groß. Als Frau, die eine 10 Kilometerzeit von unter 43 Minuten vorzuweisen hat, konnte Wiedemann im Elitefeld starten. Das war im großen Feld nur 24 Läuferinnen vorbehalten. Die äußeren Bedingungen waren gut. 3 Grad Außentemperatur, blauer Himmel, Sonnenschein, nur hier und da ein leicht glatter Untergrund.
Das war kein "Kindergeburtstag."
Das gesamte Frauenfeld umfasste 1002 Starterinnen. Wiedemann wollte am Anfang unbedingt den Erfolg und startete zu schnell. Nach drei Kilometern, die sie deutlich unter einem 4 Minuten-Schnitt auf den Kilometer lief, korrigierte sie ihr Renntempo. Ihr war klar, dass sie dieses Tempo ansonsten nicht durchhalten würde. Zunächst zweifelte sie daran, ihr Ziel zu erreichen, aber als sie ihre Geschwindigkeit genau auf die 4 Minuten pro Kilometer einpegelte, konnte sie dieses Tempo halten. Als sie nach 39:55 Minuten, auf Platz 16 von über 1000 Starterinnen die Ziellinie überquerte, war sie überglücklich. Das war eine gut getimte Punktlandung.
Aber die Mühe hat sich gelohnt.
Annike Wiedemann ist eine der wenigen Läuferinnen in Niedersachsen, die das Zeug hat, den Marathon unter 3 Stunden zu laufen. Dafür fehlen ihr noch 3 Minuten. Mit dem Schritt unter die 40 Minuten Marke auf der 10 Kilometer Strecke hat sie gezeigt, dass sie nicht nur Ausdauer, sondern auch Tempo kann. Seit Bestehen der Hils-Läufer, und die gibt es jetzt schon seit 27 Jahren, haben bisher nur Sabine Weisig und Carola Wagner die magische 40 Minuten Grenze bei den Frauen unterboten. Diese beiden Läuferinnen liefen auch den Marathon unter drei Stunden. Damit schließt sich Wiedemann einem elitären Kreis an. Bei einem Großstadtlauf auf Platz 16 von über 1000 Läuferinnen zu kommen, zeigt ihre individuelle Klasse in beeindruckender Art und Weise auf. Sollte sie gesund bleiben und ihr Training weiter gezielt absolvieren können, ist im Jahr 2026 auf allen Distanzen mit ihr zu rechnen.
Thomas Knackstedt
Eiszeit.
Normalerweise fällt unser Mittwoch-Trainingsabend niemals aus. Egal, ob es stürmt, schneit, friert oder sich alle Schleusen des Himmels geöffnet haben. Allerdings ist der Termin am Mittwoch des Heiligen Abends, um 18 Uhr, dann vielleicht doch besser für den Familienkreis gedacht als für die Laufkumpels. Also fiel der Trainingstermin gestern aus.
Trainiert wurde natürlich trotzdem. Ich weiß nicht, was die anderen gemacht haben, ich fand mich mit dem Zwei-Mann-Team Arkadi und Thomas zum Mittwochtraining ein. Während sich Arkadi noch mental auf unseren Lauf durch den tiefen Wald vorbereiten konnte, fuhr ich mit dem Mountainbike einige Sachen durch den Ort.
Minusgrade machen mir nicht fiel aus auf dem Rad. Dafür habe ich auch die entsprechenden Klamotten. Aber -2 Grad und eine Strecke von 14 Kilometern? Komm! Da muss man sich nicht superwarm anziehen. Dachte ich jedenfalls. Meine Fahrt führte mich zunächst nach Grünenplan hinauf. Es war kalt, aber weit vom Ausnahmezustand entfernt. Als ich jedoch wieder zurückfuhr und eine 6 Kilometer lange Strecke direkt in den eisig-fiesen Ostwind vor mir hatte, wurde ich eines Besseren belehrt. Der Wind fror mich regelrecht ein. Als ich meine Tour beendet hatte, fühlte ich weder meine Füße noch meine Hände. Und dass, obwohl ich Neopren-Überschuhe anhatte und mit meinen behandschuhten Händen reichlich Griffübungen an den Lenkerenden absolviert hatte.
So ging es dann gefühlskalt in die Laufsachen. Arkadi war verdammt gut drauf. Mit seinem dicken Pelzmantel steht er auf die Kälte und den Wind. Wir liefen drei Kilometer bergauf und ich bekam kaum einen Fuß vor den anderen, weil ich weder meine Füße noch meine Hände (trotz Laufhandschuhen) so richtig fühlte. Das von Kilometer 2 bis 3 dann auch noch mein schöner Wald-Trail von Wildschweinen komplett umgepflügt worden war, machte die Sache nicht besser. Doch irgendwann zwischen Kilometer 3 und 4 fand die Wärme zurück in meinen Körper. Hände und Füße gelangten wieder in den Normalzustand und damit machte auch das Laufen wieder Spaß.
Bereit für das Weihnachts-Training.
Da wo wir letzte Woche noch durch die Pampe stapfen mussten, war jetzt alles beinhart gefroren. Wir hatten den Wald komplett für uns allein. Die Sonne kam raus und allein das motivierte uns schon, auch wenn ihre Strahlen keinerlei Wärme transportierten.
Am Ende ging es noch einmal stramm gegen den Ostwind über den Heimberg. Doch da war ich auf Betriebstemperatur und Arkadi im Schluss-Sprint-Modus. Als Belohnung für diesen eiskalten Weihnachts-Lauf gab es für Arkadi einen Streifen Hühnerfleisch und für mich einen warmen Tee mit Honig. Das hatten wir uns aber auch verdient.
Thomas Knackstedt
Fokus ist Alles!
Zwischen den Jahren ist immer ein guter Zeitpunkt, sich über Grundsätzliches im Laufsport klar zu werden. Viel zu oft sind wir in detailverliebte Kleinigkeits-Diskussionen vertieft, die für den sportlichen Erfolg eher unwichtig sind. Schauen wir doch mal auf das große Ganze.
Für jeden Laufsportler ist der Fokus auf sein Ziel das A und O. Er/Sie muss wissen, wohin es gehen soll. Also: Was will ich in meinem Sport erreichen? Da gibt es mehrere Möglichkeiten.
Habe ich einfach nur Spaß an der Bewegung, will fit und gesund bleiben, und interessiere mich weder für Wettkämpfe noch für die Frage, was mein Körper in bestimmen Situationen am Anschlag leisten kann, dann ist es einfach. Jeder, der seinen Sport so lebt, benötigt keinen Fokus. Er kann im wahrsten Sinne des Wortes tun und lassen was er/sie will. Wenn ihr mich fragt: Beneidenswert. Ich wollte allerdings immer etwas ganz anderes.
Die meisten Läufer wollen etwas erreichen. Sobald es in Richtung Wettkämpfe geht, egal ob kleiner Volkslauf oder Deutsche Meisterschaft, wird der Fokus wichtig. Um zu wissen, worauf sich der Fokus richten soll, muss ich meine Ziele definieren.
Will ich ein guter Kurzstreckler/Sprinter werden? Da sprechen wir über die Distanzen von 100 bis 400 Metern.
Oder soll es die Mitteldistanz sein? Da wären wir dann bei 800 Metern bis 5000 Metern.
Stehe ich vielleicht doch auf die Langstrecke? Da sind wir bei 10.000 Meter bis Marathon.
Ein Marathonläufer par Excellence: Karsten.
Oder will ich ein Ultraläufer werden? Das bedeutet, alles, was länger als 42,195 Kilometer ist.
Die verschiedenen Trainings für diese unterschiedlichen Strecken sind nicht miteinander vergleichbar. Zunächst einmal ist wichtig: Ich muss das trainieren, was ich im Wettkampf brauche. Ein 100 Meter Sprinter, der 30 Kilometerläufe trainiert, wird nicht erfolgreich sein. Bei einem Marathonläufer wäre das umgekehrt genauso wenig der Fall.
Das heißt für die Kurzstrecke: Schnelligkeit, Kraft, Beschleunigung. Da muss der Schwerpunkt des Trainings liegen.
Der Mittelstreckler kann mit den Trainingsinhalten des Sprinters ebenfalls etwas anfangen. Bei ihm gesellt sich dann aber noch die Tempoausdauer dazu.
Da unsere Gruppe in diesem Bereich wenig bis keine Wettkämpfe abliefert, können wir diese beiden Strecken jedoch vernachlässigen. Bei ihnen ist Bahntraining eine tragende Säule im Training. Für die Langstrecke ist das komplett vernachlässigbar.
Die Langstrecke, bis zur Marathondistanz, verlangt eine gewissen Schnelligkeit, eine hervorragende Grundlagenausdauer, und bei den schnellen Läufern auch ein gerütteltes Maß an Tempoausdauer.
Im Ultrabereich, hier spreche ich jetzt von Läufen über 100 Kilometer oder länger, hat der Punkt Schnelligkeit (damit meine ich Laufzeiten von 4 Minuten oder schneller auf den Kilometer) keine Priorität. Hier ist die Ausdauer der bestimmende Faktor. Dazu kann es von Vorteil sein, je länger und/oder schwieriger die Strecke ist, harte Belastungen (auch Schmerzen) auszuhalten und mental absolut souverän zu sein.
Was für Karsten auf der Marathonstrecke gilt,
gilt für Sie in den Bergen: Annike.
Weiterhin ist der Fokus darauf zu richten, welchen Wettkampf ich in Perfektion absolvieren will. Ist das ein Stadtmarathon, auf topfebener Strecke, komplett asphaltiert, dann sollte ich den Großteil meines Trainings auf solchen Bedingungen trainieren. Hier im Gelände oder auf der Bahn zu trainieren, darf man sich als gelegentliche Abwechslung einmal gönnen, sinnvoll ist das jedoch nicht. Auch ausufernde Intervalleinheiten sind im Bereich der Langstrecke nicht der Schlüssel zum Erfolg. Was hier zählt, ist der Fokus auf das geplante Marathonrenntempo.
Will ich einen Ultralauf in den Bergen erfolgreich gestalten, macht es ebenfalls wenig Sinn auf der Bahn zu trainieren. Auch Asphaltläufe ohne Höhenmeter sind da eher kontraproduktiv. Hier muss ich ins Gelände, auf schwere, wechselnde Untergründe. Das Ganze garniert mit reichlich Höhenmetern. Ist der Lauf dann vielleicht ein Hundert-Meiler oder etwas Vergleichbares, vielleicht sogar noch in 2000 Metern Höhe oder noch höher, darf man sich im Training auch gern mit dem Thema Schmerzüberwindung und mentale Stärke befassen. Das ist sinnvoll.
Letztendlich ist es relativ einfach: Du musst das trainieren, was du im Wettkampf brauchst. Jedenfalls wenn Du erfolgreich sein willst. Mich wundert es daher, dass ich immer wieder Läuferinnen und Läufer sehe, die sich diesbezüglich, jedenfalls meiner Ansicht nach, komplett falsch verhalten, bzw. falsch trainieren.
Nur wenn Du dich auf dein Ziel fokussierst, wirst Du es schaffen tatsächlich dein komplettes Leistungsvermögen auf einer bestimmten Distanz abzurufen. Alles, was Du rechts und links des Weges machst, ist vermutlich sehr spaßig und unterhaltsam, aber in fast allen Fällen nicht zielführend für ein herausragendes Wettkampfergebnis.
Thomas Knackstedt