Schreiben und Lesen...

        

... das gehört zusammen wie gutes Training und ein schneller Wettkampf. Es muss aber nicht immer mit Laufen zu tun haben. Hier bekommt ihr jeweils eine Story angeboten, die sich ums Laufen dreht, oder auch nicht.




Speerspitze

 

Die Zeiten können sich ändern. Schnell. Sehr schnell! Seit ein paar Wochen wissen wir, dass wir nicht unangreifbar sind und ein kleines Virus ausreicht, um unsere ach so sichere Welt komplett aus den Angeln zu heben.


Es ist nicht so, dass das etwas Neues wäre. Solche Epidemien wie Corona hat es zigmal gegeben. Wir, die Krönung der Schöpfung, haben sie alle überstanden. Menschen sind findig, clever, und manchmal sogar in der Lage gemeinsam einen scheinbar übermächtigen Feind zu besiegen. Nicht umsonst haben wir uns zu den „Herren der Welt“ entwickelt.


Im Mittelalter haben Pest und Grippewellen Millionen von Menschen getötet. Ein Ausbruch in einem weit entfernten Land blieb oft unentdeckt und ehe die Meldung kam, dass Gefahr im Anmarsch ist, war es schon zu spät. Das sieht heute anders aus.


In Stunden können wir die gesamte Welt alarmieren und ziemlich sicher sein, dass wir jeden Menschen auf dem Globus erreichen. Das scheint ein Riesenvorteil zu sein, allerdings ist die Verbreitung von Krankheiten heute durch Flugreisen und eine ungebremste Mobilität genau so schnell wie die Nachrichten über die Gefahr.



Wir machen das, was jeder tun würde, der weiß, dass er angegriffen wird. Die Besonnenen und Cleveren bereiten sich vor. Sie prüfen ihre Verteidigungsstellungen und Waffen. Sie versuchen jeden Vorteil, den sie sich noch in Ruhe erarbeiten können, zu nutzen. Die Panischen haben einfach nur Angst und legen jeden logischen Gedanken und jedes logische Handeln bei Seite. Oft sind sie es, die der Krankheit das Sprungbrett mitten in unsere Gesellschaft hinein bieten.


Wenn wir agieren müssen, kann das sehr unterschiedlich aussehen. Im Krieg ist es so, dass wir Schmerzen, Verzicht, Entbehrungen und harte Anstrengungen in Kauf nehmen müssen. Wenn Menschen daran zerbrechen und nicht durchhalten, ist das für mich mehr als verständlich.

Bei Corona ist es so, dass wir uns wappnen, indem wir NICHTS tun müssen. Aber das im wahrsten Sinne des Wortes. Keine Kontakte, keine Ausflüge und Reisen, keine Feiern, keine Einkäufe, keine Sportveranstaltungen. Solange es kein Medikament und keine Impfung gegen Corona gibt, ist das unsere einzige Chance, der Krankheit zu begegnen. Eigentlich gar nicht so schlecht: NICHTS tun kann helfen! Dafür braucht es weder besondere Fähgikeiten noch eine Ausbildung. NICHTS tun kann jeder.


Die Realität sieht allerdings anders aus. Es gibt Menschen, Gott sei Dank ist es nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, die würden für ihre Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, Alten und Schwachen nicht einmal NICHTS tun. Das ist ihnen zu anstrengend. Sie wollen auf NICHTS verzichten. So wichtige Dinge wie Quatschen, Fußball spielen, Partys feiern und chillen sind ihnen wichtiger als das Leben ihrer Mitmenschen. Das ist zwar bei genauer Betrachtung kaum zu glauben, aber die Wahrheit. Die scheren sich um den Rest der Gesellschaft einen Dreck. Die denken ständig nur an eins: An sich!

 

Wenn ich zwanzig Schüler sehe, die in Zeiten von Corona auf engstem Raum zusammengepfercht ihre neuesten Handynachrichten austauschen oder mit einem Ball kicken, sich schubsen und Spaß haben, könnte ich kotzen. Das sind die gleichen Typen, die jeden Freitag dafür demonstrieren, dass der Klimawandel abgewendet wird. Dass Wale, Frösche, Wölfe und Bären überleben können. Ob ihr Oma oder ihr Opa überlebt ist ihnen aber anscheinend egal. Muss ich das verstehen? Nein; ganz sicher nicht.


Von Corona hoch gefährdete Rentner, die mit ihren Enkelkindern an der Hand, im Supermarkt um die letzte Klopapierrolle kämpfen, die Mehlbestände leer kaufen und Konserven horten machen mir auch nicht mehr Hoffnung. Was ist mit diesen Menschen los? Was ist mit ihnen passiert, dass sie so wurden? Es gibt eine ganze Reihe von Tieren, die in Krisensituationen mehr Vernunft aufbringen. Vermutlich hält sich jeder für unangreifbar und unbesiegbar. Ich könnte jedem einzelnen versprechen, dass das eine Illusion ist. Im jetzigen Fall eine, die tödlich enden kann.

 

Es ist die Speerspitze der Dummheit, die uns momentan das Leben schwer macht. Sie besteht aus Menschen, die sich für schlauer halten als ein studierter Virologe und Ahnungslose, denen irgendwie alles scheißegal zu sein scheint. Oft sind sie allerdings nur zu bequem, um überhaupt irgendetwas zu tun. Heute zeigt sich das bei Corona, früher bei Tausend anderen Gelegenheiten. Wie sagte der 1972 verstorbene belgische Politiker Paul Henry Spaak so schön: „Die Dummheit ist die sonderbarste aller Krankheiten. Der Kranke leidet niemals an ihr. Aber die anderen leiden.“ Wenn das nicht passt…



Thomas Knackstedt


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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